Bonn

Was die politischen Großen unserer Republik betrifft – soweit es ihre Konterfeis angeht –, so kann man sie aufhängen oder es auch bleiben lassen. Denn allgemeingültige Regeln, wann, wo und wie Bilder des Präsidenten, des Kanzlers oder seiner Minister anzubringen sind, gibt es jedenfalls nicht. Wen immer man dieserhalb in Bonn befragt, der zeigt sich, sofern er sich überhaupt zuständig fühlt, überrascht und verwirrt. Hier klaffen bei uns noch große Lücken.

Dies heißt natürlich nicht, daß von den Photos der Staatsmänner kein Gebrauch gemacht würde. Sozusagen vom Negativen, ausgehend, hat das Präsidium des Bundes der Steuerzahler vor etlichen Monaten an den Bundesminister der Verteidigung appelliert, auf die Anbringung seines Bildes in den Kasernen an. Stelle des Konterfeis seines Vorgängers zu verzichten.

Selbstverständlich dachten die Schutzpatrone der Steuerzahler dabei nicht an eine Schwächung der Verteidigungsbereitschaft, sondern an den finanziellen Aspekt: Georg Leber könne der Republik auf diese Weise helfen, rund 129 000 Mark zu sparen. Denn dies war exakt die Summe, für die einst Photos des früheren Verteidigungsministers Helmut Schmidt zur Verwendung bei den Streitkräften angeschafft worden waren – 6332 Exemplare im Format von 24 mal 30 Zentimetern.

Indes, jener Sparappell kann keine offenen Ohren finden. Denn obwohl es keinerlei offizielle Weisung gibt, ist es seit Jahr und Tag Brauch, daß der Verteidigungsminister – und meistens auch der Bundespräsident – in den Kasernen von der Wand blickt. Immerhin ist Georg Leber, jedenfalls zu Friedenszeiten, der Oberbefehlshaber der Bundeswehr. Deshalb ist der Minister aus protokollarischen wie staatspolitischen Gründen in den Amtszimmern der Kommandeure ebenso gegenwärtig wie in den Stuben der Kompanie- oder Batteriechefs, bei Dienststellenleitern oder in Wehrbereichskommandos, Kreiswehr- und Standortverwaltungen.

Im übrigen gilt der Grundsatz, daß ein Soldat seine Vorgesetzten kennen muß. Dieses Prinzip ist nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen von Belang. Denn wer auf Wache steht und militärische Objekte zu schützen; hat, muß wissen, mit wem er es zu tun bekommen könnte. So gibt es etwa in Wachstuben ganze Bildergalerien: Vom Bataillonschef über den General und Inspekteur bis zum Minister – dieses Tableau freilich nicht in amtlicher Ausführung, sondern in der Regel zusammengestellt aus Zufallsphotos, aus Zeitungsphotos wie solchen von privater Hand.

In der Bundeswehr also ist die Frage der optischen Repräsentanz des zuständigen Staatsmanns und der Befehlshaber aus zwingenden Gründen einigermaßen geregelt. Ähnliches trifft-nur noch für den Bereich des Auswärtigen Amts zu. Getreu dem internationalen diplomatischen Grundsatz, daß ein Botschafter stets der persönliche Repräsentant seines Staatsoberhauptes ist, stehen den rund 200 deutschen Auslandsmissionen je ein größeres und ein kleineres Bild Gustav Heinemanns zu, das eine zu einem Herstellungspreis von 22,50 Mark, das andere zu 17 Mark.