Neu in Museen und Galerien:

Berlin

Vom 21. bis zum 26. Mai, Galerie Gerda Bassenge: "Alte und Neue Kunst, Bücher und Autographen"

Auf dem Gebiet der Handzeichnung bietet die Frühjahrsauktion eine ganze Reihe bedeutender Blätter. Sie beginnt bei einer manieristischen Madonna von Cambiaso und einer pompösen Dradienszene von Guerzino (auf je 6000 Mark geschätzt). Das 18. Jahrhundert wird von Domenico Tiepolo (eine Kentaurenzeichnung für 3600 Mark) und dem Franzosen Natoire mit einer galanten Rokokomythologie (eine minuziös ausgearbeitete Kreidezeichnung für 7500 Mark) repräsentiert. Menzels Bleistiftzeichnung vom Erfurter Dom ist auf 7000 Mark geschätzt. Signifikant unter der alten Druckgraphik die Rembrandt-Radierung "Die Hütte und der Heuschober" (45 000 Mark) und Dürers Kupferstich "Die Entführung auf dem Einhorn" (1000 Mark). Die vollständige Folge der Miseres et malheurs von Callot ist mit 5000 Mark angesetzt. Ein seltenes und kurioses Stück: die "Neuersonnenen Gold-Schmieds-Grillen" von Bommel aus Nürnberg (für 2000 Mark). Die moderne Abteilung wird mit einem frühen Corinth-Gemälde, "Simson und Dalila", von 1893 (für 38 000 Mark) und 40 Blättern Corinth-Graphik eingeleitet. Die zwanziger Jahre sind mit Kanold, Hubbuch, Wunderwald und mit einigen gesuchten Blättern von Dix, George Grosz und der Kollwitz ansehnlich vertreten. Im Rahmen der Buchauktion kommt das umfangreiche Konvolut über die Französische Revolution und die deutsche Revolution von 1848, mit Aufrufen, Dekreten und Zeitschriften, einem aktuellen Interesse entgegen.

Recklinghausen

Bis zum 17. Juni, Kunsthalle: "Mit Kamera, Pinsel und Spritzpistole" Die Ruhrfestspiele und ihr künstlerischer Leiter Thomas Grochowiak besitzen Spürsinn für die Aktualität eines Themas. Man weiß es, der Ruhm sei ihnen gegönnt, auch wenn sie diesmal mit der Realismusschau ein bißchen nachziehen. Der saloppe Titel stimmt fröhlich, erwartungsvoll. Endlich, denkt man, soll dem Mann auf der Straße, dem Kumpel begreifbar werden, was neuerdings in der Kunst passiert. Zu diesem Zweck ist gleich, am Eingang die "camera-Recklinghausen 73" installiert, eine pfiffige Kombination von Camera obscura (historisch) und Spiegelreflex-Kamera (das neueste Modell), die der Ausstellungsbesucher "eigenschöpferisch" betätigen und erproben kann. Das macht wenigstens Spaß, das stimuliert, fehlt nur noch die Spritzpistole, die man dem Besucher in die Hand drückt. Die restlichen 99 Prozent der Ausstellung sind oder sollen sein: "Realistische Kunst in unserer Zeit." Das Thema, selbst wenn man es mit "unserer Zeit" wörtlich nähme, ist entschieden zu groß für den Recklinghäuser Museumsbunker. Aber nun wird es auch noch in die Vergangenheit, bis weit ins 19. Jahrhundert zurück ausgeweitet. Man sieht die Geschichte der Photographie von ihren Anfängen bis beinah heute unter besonderer Berücksichtigung der photokünstlerischen Experimente der zwanziger Jahre (mit Man Ray, Moholy-Nagy). Man sieht die im 19. Jahrhundert praktizierte Malerei nach photographischer Vorlage. Sodann gibt es einen herrlichen Sonderraum über die – historische – Malerei der Neuen Sachlichkeit mit Dix, Kanold, Schad, Radziwill (die alle nicht mit der Kamera gearbeitet haben). Es werden die heutigen Photorealisten vorgeführt, die meisten waren auch schon auf der letzten documenta zu sehen. Die Abteilung der Engagierten ist leider viel zu klein geraten. Und wenn dann noch die Dada-Collagen von Hannah Hoch und die Sex-Figurationen von Allan Jones und die Destruktionen von Rainer und die Zebra-Gruppe und Rauschenberg dazukommen, ist der Realismusbegriff ebenso überstrapaziert wie der Ausstellungsbesucher.

Wichtige Ausstellungen: