Der Inselstaat auf der Suche nach Stabilität

Von Johannes Gaitanides

Seit Wochen kämpfen in Zypern Griechen mit Griechen. Anhänger des Eoka-Helden Grivas, die der Insel zum Anschluß an Griechenland verhelfen wollen, werfen Bomben gegen das Gefolge des Erzbischofs Makarios, dem Zyperns Unabhängigkeit über alles geht. Unser Autor versucht das byzantinische Labyrinth der Zypern-Politik zu entwirren.

In den fünfziger Jahren kämpften sie gegen die Engländer, in den Sechzigern gegen die Türken, in den Siebzigern fallen die Griechen über die Griechen her – auf Zypern, wo es mehr Gewehre als Zahnbürsten gibt. Und diesmal sagt der Vater nicht zur Apéritifstunde: "Leg’ die Bazooka beiseite, mein Junge, die Diskothek hat geöffnet."

Seit fast zwanzig Jahren behauptet der Konflikt auf Zypern, diesem Bindestrich zwischen Orient und Okzident, seine periodische Anwartschaft auf die Schlagzeilen der Weltpresse. Heute wieder, doch ist er mit dem gewohnten Streit zwischen der griechischen Bevölkerungsmehrheit (80 Prozent der 637 000 Einwohner) und der türkischen Minderheit (18 Prozent) nicht mehr hinreichend definiert.

Entfachte sich der Konflikt 1963/64 und dann wieder 1967/68 zum offenen Brand, dessen Ausweitung zum griechisch-türkischen Krieg (und zum Einsturz der Nato-Südostflanke) die amerikanische Feuerwehr-Diplomatie unter Assistenz ihrer Sechsten Flotte gerade noch in seither Minute verhindern konnte, so glimmt er seither nur als Glut weiter, nicht ungefährlich, aber doch kontrollierbar. Die Temperierung ist zum einen der Präsenz der UN-Soldaten (1964 mit 6000, nun nur noch mit 3000 Mann) zu danken, die entlang der "Grünen Grenze" als Puffer zwischen den militanten Parteien postiert sind; bezeichnend, daß die Zyprioten heute von den UN-Tourist-Soldiers sprechen.

Dämpfend wirkt weiterhin, daß es sich die Athener Diktatur im Unterschied zur Demokratie innenpolitisch leisten kann, in der Zypern-Frage einen kompromißbereiteren, weniger chauvinistischen Kurs zu steuern. Vieles kann man Papadopoulos nachsagen, nicht Mangel an realistischem Blick: der Aussöhnung mit Ankara die Priorität gebend, gießt er sein Öl in das Wasser, nicht in das Feuer Zyperns.