In der SPD ist das Klima rauher geworden. Wie schon bei den Wahlen zum SPD-Vorstand auf dem hannoverschen Parteitag sind nun auch bei der Vervollständigung des SPD-Präsidiums aus den Reihen des Vorstands Überraschungen nicht ausgeblieben – diesmal freilich zu Lasten der Linken. Jochen Steffen hat den Sprung in das höchste Parteigremium nicht geschafft, und deshalb hat Peter von Oertzen, der niedersächsische Landesvorsitzende, auf seinen Platz im Präsidium verzichtet, obwohl auf ihn eine sehr respektable Stimmenzahl entfallen war.

Das ist ein Selbsttor, denn nun ist die Linke im elfköpfigen Präsidium ganz im Gegensatz zum 36köpfigen Vorstand überhaupt nicht vertreten, es sei denn, man wollte Erhard Eppler und Wilhelm Dröscher dazu rechnen. Deutlich wird auf jeden Fall, daß es an der Parteispitze künftig nicht mehr so schiedlich-friedlich zugehen wird wie bisher. Ohnehin wollen viele der neuen Vorstandsmitglieder das Präsidium nicht mehr unbesehen schalten und walten lassen und sich selbst mit einem Dornröschendasein bescheiden.

Herbert Wehner hat den neuen Vorstand kürzlich zu "hochprozentiger Aktivität" aufgefordert. Auch hochprozentige Konflikte sind dabei offenbar nicht ausgeschlossen. C.-C. K.