Das gespannte Verhältnis zwischen dem Libanon und den Palästinensern hat sich innerhalb von acht Tagen zum drittenmal in bürgerkriegsähnlichen Feindseligkeiten entladen. Auf der Regierungsseite griffen wieder Kampfflugzeuge mit Raketen und Bordwaffen Stellungen der Freischärler an. Am heftigsten wurde um drei palästinensische Flüchtlingslager am Beiruter Flugplatz und um den Flugplatz selber gekämpft. Bis jetzt sind rund 300 Menschen während der Kämpfe getötet worden.

Ministerpräsident Hafes trat, nur 13 Tage nach Übernahme der Regierungsverantwortung, zurück. Radio Beirut begründete den Rücktritt als Protest des Regierungschefs gegen den neuerlichen Einsatz der Luftwaffe. Hafes war am 25. April von Staatspräsident Franjieh berufen worden, nachdem die vorherige Regierung wegen der innenpolitischen Spannungen nach dem israelischen Kommando-Unternehmen vom 10. April zurückgetreten war.

Während der Staatspräsident am Dienstag eine Feuerpause anordnete und neue Bemühungen zwischen den verfeindeten Parteien und arabischen Vermittlern um eine endgültige Waffenruhe begannen, herrschte im Lande Ausnahmezustand.

Den Hintergrund der Unruhen bilden die Versuche der libanesischen Regierung, vor allem des Staatspräsidenten, die volle Gewalt über die Lager der 300 000 Palästinenser wiederzugewinnen. Sie war 1969 in einem in Kairo geschlossenen Abkommen aufgegeben worden. Libanon – 2,7 Millionen Einwohner – fürchtet, daß der palästinensische "Staat im Staate", wenn er weiter unkontrolliert bleibt, Israel zu neuen Aktionen gegen den Libanon veranlassen könnte.

Franjieh erklärte am vorigen Donnerstag, es sei Libanons Pflicht und kein Gunstbeweis, die Flüchtlinge zu beherbergen und ihnen Gastfreundschaft zu erweisen. Das Land würde auch eine Zusammenarbeit für einen gemeinsamen Zweck begrüßen. "Wenn sie mit uns leben und ihre Angelegenheiten mit uns abstimmen wollen, sind sie willkommen. Aber eine Besatzungsarmee in Libanon ist etwas, was kein Libanese akzeptieren kann."

Unmittelbarer Anlaß für die offenen Feindseligkeiten war die Verhaftung mehrerer bewaffneter Fedajin vor der amerikanischen Botschaft in Beirut und – als Reaktion der Palästinenser – das "Kidnapping" zweier libanesischer Offiziere. Syrien hat am Dienstag die Grenze zum Libanon geschlossen.