Schule", das neue Blatt aus dem Verlag Gruner + Jahr, hat das Klassenziel schon erreicht. Vier Hefte liegen vor, und der Erfolg scheint garantiert. Denn auf Anhieb werden 340 000 Stück verkauft, mehr als notwendig sind, um die Unkosten zu decken.

Eine Rekordauflage aus dem Stand, das ist ungewöhnlich, und doch kommt sie nicht völlig überraschend. Das Geschäft mit "Schule" war kalkulierbar und vorauszusehen, und das nicht nur, weil das Objekt im größten deutschen Zeitschriftenkonzern gemacht wird. Wichtiger nämlich als das journalistische und verlegerische Know how ist in diesem Fall die Tatsache, daß bei so vielen Bürgern ein Bedürfnis nach Information über das Thema Erziehung und Bildung besteht. Diese Marktlücke haben G + J-Strategen gründlich ausgekundschaftet. Das Terrain erwies sich als so günstig, daß "Schule" sogar bis auf drei Umschlagseiten ohne Anzeigen herausgebracht werden kann, allerdings zu dem beachtlichen Preis von drei Mark.

Aber so viel kosten inzwischen auch andere Blätter, deren Erfolgszahlen wie die von "Schule" verdeutlichen, daß der Bildungsmarkt offenbar noch nicht gesättigt ist:

  • die verkaufte Auflage von "Spielen und Lernen" (Preis: vier Mark), einer speziellen Zeitschrift für Eltern mit Vorschulkindern, schnellte in eineinhalb Jahren von 90 000 auf 135 000 Exemplare hoch;
  • das linksengagierte pädagogische Magazin "betrifft: erziehung" (Preis: vier Mark) konnte seine Abonnement-Auflage in den letzten Monaten um jeweils tausend Stück steigern, knapp 3.6 000 "bte"-Exemplare werden jetzt pro Monat verkauft;
  • "Sesamstraße", die Begleitschrift zur TV-Serie (Preis: 1,80 Mark), die ebenfalls bei G + J erscheint, verdoppelte die Auflage mit den ersten vier Nummern von 220 000 auf 450 000;
  • "Eltern", das erziehliche Mutterblatt des Hauses G + J, wird monatlich 840 000mal verkauft und von 4,7 Millionen gelesen.

Was diese hohen Auflagen beweisen, hat kürzlich auch das EMNID-Institut in Bielefeld in einer Umfrage herausgefunden: An Bildung besteht nach wie vor ein außerordentliches Interesse. Das Thema Schule und Ausbildung liegt an der Spitze, darüber möchte etwa jeder fünfte Bundesbürger ausführlich informiert werden.

Mit solchen Zahlen ist gut Blatt machen, besser noch, wenn das Produkt dann auch etwas herzeigt. "Schule" tut das: viel Farbe und die besten Aufnahmen, die es je aus Klassenzimmern gab; übersichtliche Graphiken und eine einfache Sprache, die um jeglichen Bildungsjargon weite Bogen schlägt; zum Spaß Suchbilder, Kreuzworträtsel und ein Comic – das alles ist ebenso sympathisch wie die übersichtliche. Aufmachung:

"Schule" ist exakt das, was der Untertitel als Leitlinie formuliert: "Eine Zeitschrift, die es Eltern und Schülern leichter macht." Sie und vor allem auch Lehrer bilden die Zielgruppe, und was der G + J-Leichtmacher erreichen will, sagt der Chefredakteur Hans Grothe so: "Schülern und Eltern zu helfen, mit dieser Schule heute – so wie sie ist – fertig zu werden... ‚Schule‘ ist in erster Linie ein Service-Blatt, das versucht, Lebenshilfe zu geben."