Es soll Briten geben, denen das heimische Bier nach der Rückkehr von einem Urlaub auf dem Kontinent nicht mehr so recht mundet. Sie träumen dann von einem gut gekühlten Pils mit weißer Schaumkrone, das schon vom Anblick her appetitlicher ist als ein ohne Schaum bis zum Rand gefülltes britisches Ale.

Diese Träume mögen den britischen Brauerei-Konzern Watney Mann, mit einer Produktion von 5,5 Millionen Hektolitern zu einem Zehntel am britischen Markt beteiligt, bewogen haben, auf dem Kontinent auf Brautschau zu gehen. Die Wahl fiel auf die Stern-Gruppe, an deren Spitze die Stern Brauerei Carl Funke AG, Essen, steht.

Die Stern-Gruppe, die für Watney mehr als eine reine Beteiligung sein wird, hat im vergangenen Braujahr 1,5 Millionen Hektoliter Bier verkauft. Sie gehört zu den expansivsten deutschen Brauimperien, weil sie rechtzeitig auf die Pils- und die Alt-Welle gesetzt hat. Ihr Vertriebsapparat soll von Watney offensichtlich genutzt werden, um britisches Bier, bisher noch ein Luxusartikel, auch dem deutschen Verbraucher nahezubringen.

Die Großaktionäre der mit 15,4 Millionen Mark Grundkapital ausgestatteten Stern Brauerei Carl Funke AG, die als größte Brauerei auch Holding der Stern-Gruppe ist, sind verkaufsbereit. Allianz-Versicherung, Commerzbank und Familie Funke halten je etwa 25 Prozent des Stern-Kapitals. Unter einem Verkaufskurs von 1200 Prozent werden sie ihre Anteile wohl kaum abgeben.

Der Einstieg bei Sern ist nicht der erste Schachzug von Watney auf dem kontinentalen Biermarkt. Drei belgische Brauereien gehören schon seit längerer Zeit zum Portefeuille des britischen Brauriesen.

Dem deutschen Biertrinker im Ruhrgebiet und im Kölner Raum – den Hauptabsatzgebieter der Stern-Gruppe – ist es ziemlich gleichgültig, wer die Aktien seiner Brauerei hält – ob eine deutsche Versicherung oder ein englischer Bierkonzern. Vielleicht findet er sogar einen gewissen Trost dabei, daß die Sudgefäße ausnahmsweise einmal nicht in die Hände von Banken, Zigarettenherstellern oder Backpulverfabrikanten geraten.

Aber letztlich ist es auch diesmal keine Brauerei, die eine andere unter ihre Fittiche nimmt. Großaktionär von Watney Mann ist der britische Hotel-Konzern Grand Metropolitan Hotels. hgk