Zum erstenmal in der Geschichte der Nato haben Marineoffiziere eines Bündnispartners in einem anderen Land der Allianz auf ihre Bitte hin Asyl erhalten. Der Kapitän und 29 Besatzungsmitglieder des griechischen Zerstörers „Velos“ klagten mit diesem demonstrativen Schritt das Militärregime in Athen an.

Die „Velos“ scherte am vorigen Freitag während eines Nato-Manövers im östlichen Mittelmeer aus dem Flottenverband aus und lief den römischen Hafen Fiumicino an. Der Zerstörer verließ später unter neuem Kommando mit den an Bord gebliebenen 230 Besatzungsmitgliedern den Hafen und kehrte ins Manövergebiet zurück.

Fregattenkapitän Pappas hatte beim Einlaufen einen Funkspruch an das gemeinsame Manöverkommando „und an alle Nato-Hauptquartiere“ geschickt. Darin hieß es, „daß vor nunmehr sechs Jahren in Griechenland eine Bande eigensüchtiger Offiziere eine unmenschliche und verhaßte Diktatur errichtet hat“. Pappas verwies auf den mißglückten Marine-Putsch im Hafen von Salamis und erklärte: „Die jetzige Erhebung der griechischen Seestreitkräfte vermittelt den Wunsch des gesamten griechischen Volkes nach Freiheit.“

Die Regierung in Athen hatte zwei Tage zuvor bekannt gegeben, daß ein Umsturzversuch von zwei ehemaligen Admiralen und 35 anderen Offizieren vereitelt worden sei. Alles deute daraufhin, daß der Anstoß zu der Aktion „von außen her durch, Exil-Griechen in Europa erfolgte“.

Kapitän Pappas hat nach seinen Worten keinen Kontakt zu König Konstantin gehabt, der seit fünfeinhalb Jahren im römischen Exil lebt. Dieser selber erfuhr nach Angaben eines Sprechers von den Ereignissen erst aus der Zeitung. Dennoch ist es möglich, daß das Athener Regime den angeblichen Putschversuch und die Meuterei zum Anlaß nimmt, dem König durch eine Verfassungsänderung die Rückkehr zu verwehren.

Die Athener Zeitung „Eleftoros“, die dem Militärregime nahesteht, schrieb am Sonntag: „Die Königsfrage wird durch Volksentscheid gelöst.“ Als „beinahe sicher“ könne gelten, daß die Regierung Papadopoulos das Volk über die künftige Staatsform entscheiden lassen werde.

Nach der Verfassung von 1968 – ein Jahr nach der Machtübernahme der Obristen durch Volksentscheid angenommen – ist eine Rückkehr Konstantins nach den ersten Parlamentswahlen vorgesehen. Bisher ist offen, ob und wann es überhaupt Parlamentswahlen in Griechenland geben wird.