Philipp von Bismarck, CDU-MdB und Vorsitzender des CDU-Wirtschaftsrates, machte aus seiner Unzufriedenheit kein Hehl: Die Debatte, die seine Fraktion im Bundestag über das Stabilitätspaket der Bundesregierung geführt hat, empfand er nicht als große Tat. Nach den Vorstellungen von Bismarcks hätte sich die Opposition nicht zum „Nein“ bei der Abstimmung hinreißen lassen dürfen. Die CDU/CSU-Fraktion hätte sich statt dessen rechtzeitig darum bemühen müssen, mit der Regierung in Sachen Stabilität eine gemeinsame Basis zu finden. Seiner Meinung nach wäre dies möglich gewesen. Dann hätte auch die Möglichkeit bestanden, noch unpopulärere Maßnahmen zu treffen.

Bismarck ist der Überzeugung, daß eine Entscheidung der Opposition für die Stabilitätsmaßnahmen die Basis für eine stärkere Zusammenarbeit mit der Regierung im Sinne einer konstruktiven Oppositionspolitik geschaffen hätte. Tatsächlich hatte es in der CDU/CSU-Fraktion zunächst auch eine große Gruppe gegeben, die (bei allen Bedenken) für das Stabilitätspaket der Regierung stimmen wollte.

Daß es schließlich nicht dazu kam, wird auf die augenblickliche Führungsschwäche in der Fraktion zurückgeführt. Nach dem Abtritt von Rainer Barzel scheint zur Zeit die starke Hand zu fehlen, sieht man von Franz Josef Strauß ab. Strauß aber gilt als Verfechter einer Oppositionspolitik, die darauf abzielt, „nein“ zu sagen und abzuwarten. Nach Strauß hat die Opposition erst dann eine Chance zur Rückkehr an die Macht, „wenn dieser Laden (gemeint ist die Regierung) pleite gemacht hat“.

Erstes Opfer von Rainer Barzels Rücktritt wurde Ludwig Rehlinger, der bei Barzel die Koordination der Geschäfte des Fraktionsvorsitzenden und Parteivorsitzenden besorgte und sich mit längerfristigen Planungen beschäftigte. Rehlinger hatte im vorigen Jahr sein Amt als Präsident der Bundesanstalt für Gesamtdeutsche Fragen aufgegeben und sich bis Ende dieses Jahres beurlauben lassen, um Barzel zur Seite zu stehen. Rehlingers Funktion wurde nun überflüssig, und der beurlaubte Präsident muß sich einen neuen Job suchen. Auf den Präsidentenstuhl der Bundesanstalt kann er nicht mehr zurück, dem dieser Posten ist inzwischen vieder besetzt worden. Meldet sich Rehlinger bei seinem zuständigen Dienstherrn, dem Innenminister Hans Dietrich Genscher, zurück, muß Genscher ihm einen neuen Präsidentenposten suchen.

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Erhard Eppler, Entwicklungsminister und SPD-Vorsitzender von Baden-Württemberg, bleibt im Amt. Eppler war im Gespräch, die Leitung der Parteikommission für das Langzeitprogramm zu übernehmen. Wire ihm dieser Posten zugefallen, hätte er seinen Ministersessel aufgegeben; Seine Parteifreunde in Baden-Württemberg drängten jedoch darauf, daß Eppler, der bei den Landtagswahlen in Baden-Würtemberg 1976 gegen CDU-Ministerpräsident Hans Filbinger antreten soll, vorerst, noch Ressortchef in Bonn bleibt. Eppler: „Da hat es auch Leute gegeben, die haben glatt gesagt, wir haben dich mit Ministerstander gekauft.“

Erster Mann der SPD-Langzeitkommission soll jetzt der niedersächsische Kultusminister Peter von Oertzen werden. Nachdem Certzen seine Wahl ins Parteipiäsidium der SPD nicht annahm, weil sein Partei-, freund Jochen Steffen nicht in dieses Gremium gewählt wurde, witzelt man jetzt in der Partei: „Oertzen übernimmt die lange Leitung nur, wenn Steffen zweiter Vorsitzender wird.“