Bordelle fielen eigentlich auch in Deutschland unter den vor Anachronismus ächzenden Kuppelei-Paragraphen, wären also verboten. Was Eros-Centers, Massage-Salons, Callgirl-Ringe und Stunden-Hotels nicht daran hindert, allerorten zu gedeihen. Man muß nur die richtige juristische Fiktion finden, die um den Paragraphen 180 des deutschen Strafgesetzbuches herumführt. Daher gibt es in Westdeutschland wie in den meisten Ländern der westlichen und der fernöstlichen Welt natürlich „Bordelle“; aber der Gegenstand der Argumentation muß präziser formuliert werden, etwa so: Was spricht dafür und was dagegen, daß Prostitution, die es in irgendeiner Form überall gegeben hat und noch gibt, vom Staatgeduldet und in bestimmten Straßen oder in bestimmten Häusern konzentriert wird?

CONTRA:

1. Prostitution ist eine Perversion der schönsten Begegnung. Soll der Staat sie, wenn er sie schon nicht beseitigen kann, auch noch fördern?

2. Prostitution bedeutet Ausbeutung, vor allem von Frauen durch Männer. Kann eine auf Gleichberechtigung bedachte Gesellschaft das dulden?

3. Wo Prostituierte sind, da sind, wie Erfahrung lehrt, auch Zuhälter; wo Zuhälter sind, da ist auch Kriminalität, die vom Rauschgifthandel über Erpressung und Körperverletzung bis zum Mord reichen kann.

4. Werden die Prostituierten ausgebeutet, so geht es doch ihren Freiern meistens auch nicht besser, sie werden betrogen: die ihnen verkaufte Dienstleistung hält selten, was sie versprochen hat, und wird trotzdem oft teurer als vorher ausgemacht.

5. Käufliche Liebe an sich und als solche ist im Prinzip wie in all ihren schmutzigen Details widerwärtig.