Von Klaus-Peter Schmid

Sie zahlen sechsstellige Jahresgehälter und haben siebenstellige Schulden, sie spielen für Millionen und sitzen auf leeren Kassen: Deutschlands Bundesligaklubs.

Ihre Präsidenten sind oft erfolgreiche Wirtschaftskapitäne, doch die Vereine führen sie in die roten Zahlen. Sie fordern die "freie Marktwirtschaft für die Bundesliga" und hüten sich, nach diesem Gesetz anzutreten. Denn eine große Zahl renommierter Klubs müßte den Konkurs anmelden, wenn sie als Unternehmen geführt würden.

Die wirtschaftliche Bilanz des deutschen Berufsfußballs entspricht nicht seinem sportlichen Glanz:

  • Nur fünf der 18 Bundesligavereine wirtschaften zur Zeit ohne Verlust.
  • Im Dezember 1972 standen die 18 Bundesliga-Klubs mit 22 Millionen Mark in der Kreide – bei einem Umsatz von 55 Millionen Mark pro Saison.
  • Auch die 82 Vereine der Regionalligen drückt eine Schuldenlast von mindestens 19 Millionen Mark.
  • So glorreiche Fußballhochburgen wie der Hamburger SV oder Eintracht Frankfurt sind mit je drei Millionen Mark verschuldet. Die Spitze der Schuldentabelle führt Hertha BSC Berlin mit sechs Millionen an. Immerhin sprechen verantwortungsbewußte Vereinspräsidenten (wie Horst Barrelet vom HSV) bereits von einem "besorgniserregenden Bild". Und der Deutsche Fußball– Bund (DFB) räumt ein: "Wir sollten die Zahlen als einen Appell betrachten, endlich Vernunft und wirtschaftliches Verantwortungsbewußtsein walten zu lassen."

Doch die DFB-Mahnung zur Vernunft scheint die Manager des Berufsfußballs wenig zu kümmern. Sie zahlen weiter horrende Gehälter an Trainer und Spieler. Und da sie die Löcher in den Vereinskassen angesichts sinkender Zuschauerzahlen weniger denn je stopfen können, halten sie nach neuen Geldquellen Ausschau. Ihr bevorzugter Nothelfer in Finanznöten: die Gemeinden.

Daß auch das Gros der deutschen Städte an Bettelstab geht, verschont sie nicht vor den Bittgesuchen der Fußballmanager. Dabei rennt die Kicker-Lobby bei den Gemeinderäten nicht selten offene Türen ein. Mit erstaunlicher Bereitwilligkeit greifen immer mehr Kommunen in ihre ebenfalls fast leeren Kassen.