Die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Von Nina Grunenberg

In der nächsten Woche wählt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen neuen Präsidenten; die Amtszeit ihres alten, Julius Speer, ist turnusgemäß abgelaufen.

Von den Problemen, die der Wechsel an der Spitze der zentralen Forschungsförderungs-Organisation in der Bundesrepublik mit sich bringt, ist die Qual der Wahl das geringste – nicht, weil sich ein überzeugender Nachfolger Speers von selbst anböte, sondern nur, weil das Angebot der Kandidaten wenig Alternativen läßt.

Vollauf zufrieden mit der Dreier-Liste, die unter Mühe und Querelen zusammengestellt wurde und aus der die Mitglieder der Forschungsgemeinschaft – zu Dreiviertel die Universitäten, vertreten durch ihre Rektoren – wählen können, sind offenbar nur die Technischen Hochschulen. Zum erstenmal sehen sich die Techniker in der Lage, einen der ihren zum Präsidenten der DFG machen zu können und damit Balsam auf ihre traditionellen Minderwertigkeitsgefühle gegenüber den "richtigen" Universitäten – Reform hin oder her – zu träufeln: Ihr Kandidat ist Professor Eduard Pestel, 59 Jahre alt, Doktor der Ingenieurwissenschaften, 1969/70 Rektor der Technischen Universität Hannover und seit 1971 Vizepräsident der DFG – ein busybodyman, dessen Welt- und Sprachgewandtheit auch die Rektoren der Universitäten nicht unbeeindruckt gelassen hat. Zusätzlich ins Gewicht fällt für ihn, daß er Mitglied des "Club of Rome" ist, jenes Forscherklubs, der bei den einen als Nobelgarde gepriesen, von den anderen als internationale Schaumschlägertruppe ironisiert wird, dessen Studie über die "Grenzen des Wachstums" (Meadows-Report) aber vor kurzem in aller Welt als "Bericht zur Lage der Menschheit" diskutiert wurde. Wenn es richtig ist, daß sich außer den technischen Universitäten auch die Landesrektoren-Konferenzen von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf Pestel geeinigt haben, ist er der nächste DFG-Präsident. Da die beiden Länder relativ die meisten Hochschulen haben, verfügen sie auch über eine Mehrzahl der Wählerstimmen.

Ein ganz anderes Kaliber auf der Wahlliste ist der Münchner Physiker Heinz Maier-Leibnitz. Er ist 62 Jahre alt und promovierte über ein Thema der Atomphysik. Bis 1952 war er bei der Max-Planck-Gesellschaft, saß dann auf dem Lehrstuhl für technische Physik an der TU München und baute dort den ersten deutschen Forschungsreaktor. 1962 führte er das Physik-Department ein, Vorläufer und Vorbild der heutigen Fachbereichsstruktur an den reformierten Universitäten. 1967 gewann man ihn als ersten Direktor des deutsch-französischen Gemeinschaftsinstitutes Max von Laue – Paul Langevin in Grenoble, das bedeutungsvollste internationale Reäktor-Instituk-Maier-Leibnitz verkörpert noch außerdem aber standfest und deshalb durchaus auch unbequem. Er ist international hoch geachtet und geehrt, da er aber erst 1972 aus Grenoble zurückkehrte und nie deutscher Rektor war, gilt er in diesen Kreisen als kaum bekannt.

Der dritte auf der Liste ist Hansjürgen Staudinger, 59 Jahre alt, Medizinprofessor in Gießen und seit 1967 Vize-Präsident der DFG.