Am 7. Mai 1919 waren die alliierten Friedensbedingungen der deutschen Delegation in Versailles mit einer fünfzehntägigen Frist zur Beantwortung übergeben worden. Das Reich sollte danach abtreten: Elsaß-Lothringen, das ostpreußische Memelland, Oberschlesien, den größten Teil Westpreußens und Posens. Ostpreußen wurde durch einen polnischen Korridor vom Reich getrennt; Danzig wurde als Freistaat, der mit Polen wirtschaftlich verbunden war, dem Völkerbund unterstellt und für fünfzehn Jahre das Saargebiet in wirtschaftlicher Bindung an Frankreich. Die Kolonien wurden nicht zurückgegeben.

Die drei Zonen des linksrheinischen Gebiets sollten bei voller Vertragserfüllung auf mindestens fünf, zehn und fünfzehn Jahre besetzt bleiben. Der Anschluß Österreichs wurde faktisch verboten, Deutschlands Eintritt in den Völkerbund auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben. Die Höhe der Reparationen sollte bei riesigen Vorauszahlungen von einer interalliierten Kommission erst nach Abschluß des Friedensvertrages festgelegt werden. Eine weitgehende Entwaffnung wurde verlangt.

Dazu kamen die beiden sogenannten Ehrenklauseln, nämlich einseitige Anerkennung der Kriegsschuld und Auslieferung des ehemaligen Kaisers wie der sogenannten Kriegsverbrecher zur Aburteilung durch interalliierte Gerichte.

Die Deutschen klammerten ihre Hoffnungen an Wilson und seine vierzehn Punkte, die Grundlage des Friedensvertrages sein sollten. Chance und Maßstab der Alliierten war die militärische Niederlage Deutschlands mit der Folge eines Waffenstillstandsabkommens, das es an der Wiederaufnahme des Krieges hinderte. Um die deutschen Wünsche zu erfüllen, hätte Wilson seinen Bundesgenossen den Frieden vorschreiben müssen. Aus Solidaritätsschwäche diktierten diese dem Reich den Frieden und verweigerten mündliche Verhandlungen über die Bedingungen.

Die deutsche Regierung und die Friedensdelegation wußte in ihrer internationalen Isolierung kaum etwas über die unterschiedliche Einstellung der großen Vier, über den Gang der Verhandlungen, über das Wie und Warum der Bedingungen.

Die Berliner Regierungskoalition aus katholischem Zentrum, linksliberalen Demokraten und Sozialdemokraten verfügte über eine fast Vierfünftelmehrheit. Nicht in der Nationalversammlung, aber an der Basis im Hinblick auf Wahlen konnte die Opposition den Regierungsparteien gefährlich werden: von rechts die konservative Deutschnationale und rechtsliberale Deutsche Volkspartei, von links her die Unabhängigen Sozialisten, die USPD. Sie wirkten so indirekt auf die Fraktionspolitik ein.