Von Bernd Dassel

Eigentlich könnte dieser Bericht mit einer Metapher im Stile von „Löring – ein Hans im Glück“ beginnen. Das wäre naheliegend, weil jener Löring, um den es geht, zwar „Jean“ gerufen wird, aber doch auf „Hans“ getauft ist, und weil der Kölner Verein, dem vorzustehen seit elf Jahren er Ehr’ und Arbeit hat, „Fortuna“ heißt. Aber lassen wir’s: Den Anteil des Glücks am erstaunlichen Weg der Kölner Fortunen zu errechnen, ist müßig; von märchenhaften Schicksalfügüngen soll nämlich nicht die Rede sein, vielmehr von Plänen und Programmen, von Macht und Moneten, von Besessenheit und Big Business.

Als Hans Löring, mittlerweile 38 Jahre alt, 1962 den Vorsitz des damals in der Fußball-Bezirksklasse kickenden Vorortvereins Fortuna, im Kölner Stadtteil Bayenthal beheimatet, übernommen hatte, dürfte sein bei Amtsantritt verbreitetes Credo den Versammelten eher als großsprecherischer Fauxpas denn als realitätsbewußte Zukunftsplanung erschienen sein: Binnen zehn Jahren, gab der frühere Vertragsspieler von Alemannia Aachen und Viktoria Köln sich zuversichtlich, werde er. aus den Fortunen eine Spitzenmannschaft im Fußball-Westen formieren. Er hat recht behalten: In der Aufstiegsrunde zur Bundesliga ist Fortuna Köln neben Rot-Weiß Essen der große Favorit.

Mit ebenso pragmatischen wie profihaften Vorstellungen hatte Löring sich seinerzeit darangemacht, jenen Klub in Schwung zu bringen, in dessen Reihen er während seiner Jugendzeit selbst gespielt hatte. Alle zwei Jahre schafften die Fortunen den Aufstieg in die nächste Klasse, und als sie schließlich auch das erste Jahr in der Regionalliga überstanden hatten, war die schwerste Zeit vorüber. Der Vorsitzende, nun unter dem mehr Renommee ausstrahlenden Titel „Präsident“ fungierend, stapfte selbst noch auf den Rasen, wenn Not am Mann war, und half mit, den frischen Ruhm zu erhalten und zu vermehren. Man stelle sich solches bei Bayern München vor oder beim HSV...

Heute freilich hat er das nicht mehr nötig, denn Fußball-Eleven, denen der Vereinsboß noch etwas vormachen könnte, sind nicht mehr im Fortunen-Kader zu finden. Im Gegenteil: Wolfgang Fahrian, der frühere Nationaltorwart, steht für Löring zwischen den Pfosten und sitzt fest im Sattel eines Bodenbelag-Unternehmens, das sein Präsident ihm gleichsam als Altersversorgung aufgebaut hat; der irische Internationale Campell, die ehemaligen DFB-Amateurauswahlspieler Bauerkämper und Bergfelder, die bundesligaerfahrenen Struth (früher 1. FC Köln), Zimmermann (früher Borussia Mönchengladbach) und Knoth (früher Arminia Bielefeld) sowie eine ganze Reihe anderer überdurchschnittlich veranlagter Balltreter beziehen heute bei Fortuna ihren Sold. Löring stolz: „Nur Bayern München hat mit Maier, Beckenbauer, Schwarzenbeck im bundesdeutschen Fußball ein besseres Abwehrtrio beisammen als wir mit Fahrian, Struth, Zimmermann.“

Man mag dieses Statement als subjetkiv und überzogen abqualifizieren – eines jedoch ist unbestreitbar: Löring hat Fortuna eine Mannschaft zusammengeholt, die den Vergleich mit dem „großen Bruder“, dem 1. FC Köln, heute keineswegs mehr zu scheuen braucht. Die Ergebnisse im Ligapokal haben es bewiesen. Um bis zu diesem Punkt und an die Pforte der Bundesliga zu gelangen, nutzte der clevere Kaufmann freilich all jene Mittel, die ihm zur Verfügung stehen: sein Geld, seine Unabhängigkeit und seine Macht. Er opferte manches, nicht zuletzt seine Gesundheit: Im letzten Jahr mußte er wegen eines Herzinfarktes für drei Wochen Trainingsplatz und Stadion mitdem Krankenhausbett vertauschen.

Das Geld: Der drahtige Aufsteiger besitzt neun Firmen – u. a. ein Rohrleitungsunternehmen, eine Sportplatzbau-GmbH, ein Hotel, ein Film- und Tonstudio, in dem Werbespots produziert werden. Angefangen hatte er, 23jährig, nach mittlerer Reife und Elektrolehre, als Teilhaber eines damals vor dem Bankrott stehenden Kleinbetriebs für Rohrleitungsbau; er half, ihn zu sanieren, zahlte die Mitinhaber schließlich aus, gründete neue Unternehmungen. Heute hören 300 Mitarbeiter auf sein Kommando.