Nachdem uns einige Zeit lang etwas Ruhe vergönnt war, hat nun ein Amerikaner uns eine neue Hitler-Biographie beschert. Ein großes deutsches Hitler-Buch ist gleichfalls angekündigt. Und man kann damit rechnen, daß die modernen Biographen allenthalben, ihre Aufmerksamkeit wieder einmal auf die Hauptfigur des Dritten Reiches konzentrieren werden; auf die Nebenfiguren natürlich auch.

Da trifft es sich gut, daß bei Christie’s in London am 14. Juni Hermann Görings Photo-Sammlung versteigert wird. Neben zwei Alben mit Bildern aus dem Ersten. Weltkrieg und aus dem Leben des deutschen Kronprinzen wird ein Umschlag feilgeboten, den man wohl als eine Fundgrube für Hitler-Spezialisten bezeichnen kann, vorausgesetzt, daß es wirklich Hermann Göring war, der die Photos höchstpersönlich in den Umschlag steckte.

Einige Schnappschüsse unter den Bildern im historischen Kuvert scheint er sogar selber gemacht zu haben. Bestätigt sich dies, so erhöht. sich natürlich der Wert der Sammlung beträchtlich. In jedem Falle aber läßt sich aus dieser Fundgrube schließen, wie Göring seine Frau und Tochter, wie er Himmler und – vor allem – wie er Hitler sah. Es müssen diese Bilder ihm ja viel bedeutet haben, sie müssen ihm charakteristisch und lieb gewesen sein. Sonst hätte er sie ja wohl nicht in den historischen Umschlag gesteckt, falls dies nicht etwa der Kammerdiener tat, was wir im – Interesse – Christie’s und der Hitler-Biographen nicht hoffen wollen.

Zwei weitere Fragen müßten allerdings geklärt werden: Wie kommt der Kronprinz ins Album? Wie kommt die Sammlung zu Christie’s nach London?

Stoff für ein weiteres Buch nach dem offenbar unvergänglichen Motto „Neuesaus dem Dritten Reich“.