Als vor drei Wochen vom Lonrho-Verwaltungsrat eine außerordentliche Hauptversammlung für den 31. Mai einberufen wurde, dachte niemand daran, daß sehr viel mehr als 800 Aktionäre zu dem Treffen erscheinen würden. Doch dank der Berichterstattung in Zeitungen und Fernsehen über den Krach im Lonrho-Management kamen schließlich 2000 Anteilseigner. Damit ging die Hauptversammlung in die Wirtschaftsgeschichte Großbritanniens ein, denn niemals zuvor hatten sich so viele Aktionäre zu einer Versammlung ihrer Gesellschaft eingefunden.

Aber nicht nur der Massenandrang machte die außerordentliche Versammlung zu einer außergewöhnlichen: Auch das Resultat der wichtigsten Abstimmung überraschte die Engländer. Die Aktionäre sollten nämlich darüber entscheiden, ob Roland T. Rowland, Executive Manager der ins Zwielicht geratenen Gesellschaft, aus dem Verwaltungsrat ausscheiden soll oder nicht. Das Ergebnis fiel mit 29,5 Millionen Stimmen bei 4,5 Millionen Gegenstimmen eindeutig für den umstrittenen Manager aus.

Damit war auch über die Zukunft der Gegner Rowlands im Verwaltungsrat entschieden: Sir Basil Smallpeice und sieben Mitglieder des Direktoriums mußten ihre Plätze räumen.

Der Appell von Sir Basil Smallpeice, daß ein Verbleiben Rowlands als Executive Manager Lonrho nur noch Schaden bringen könne, wurde von den Aktionären nicht zur Kenntnis genommen. Als der Sieg Rowlands feststand, jubelten sie vielmehr, als ob ihre heimische Fußballmannschaft einen entscheidenden Sieg davongetragen hatte.