Von Marietta Riederer

Er war der Benjamin der Berliner Modellkonfektion. Wenn er nicht gerade über Perfektionierung seiner Salons oder komplizierte Kollektionsprobleme grübelt, wirkt er heute genauso jungenhaft-liebenswert wie damals in den fünfziger Jahren, als er, enger Mitarbeiter bei Schroeder & Eggeringhaus und später bei Horn, mit typisch „jungen Kleidern“ eine eigene Handschrift verriet. In den Salons war er nicht zu sehen. Man suchte und fand ihn nach den Kollektionsschauen zwischen Reihen dicht behängter Kleiderständer versteckt, wo er bis in die Nacht mit seinen speziellen Kunden verhandelte und ein vorzüglicher Berater war.

Uli Richter ist Potsdamer, stets korrekt gekleidet wie ein Engländer und alert wie ein Berliner. Es galt als selbstverständlich, daß er das pharmazeutische Unternehmen der Familie übernehmen sollte, doch der Krieg machte diese Pläne zunichte. Für ihn ein Glücksfall, denn so konnte er seinen Traum, für Frauen elegante Kleider zu machen, plötzlich verwirklichen. Abbruch der Chemiestudien, dafür täglich, bis er 19 wurde, nach Berlin fahren, um auf der Textilhochschule als Textilkaufmann abzuschließen und zugleich auf der Dolmetscherschule die Prüfung in Englisch zu machen.

Als die Berliner Modellkonfektion ihren Höhepunkt und Weltruf erreicht hatte, dank der vorbildlichen Verarbeitung und der, ausgezeichneten Übersetzung der Pariser Trends, machte sich Richter mit 26 Jahren selbständig. Er gründete 1959 als Jüngster der Branche ein eigenes „Haus“ am Kurfürstendamm, 1960 konnte er gemeinsam mit seinen Kollegen an der ersten Repräsentativschau der „Berliner Mode“ in New York teilnehmen. Und schon begann der American way of life Faszination auf ihn auszuüben.

Darauf entschloß er sich 1962, neben seinen „Couture-Modellen“ eine zweite Kollektion in niedrigerer Preislage herzustellen, die als „ulispecial“ dem heutigen Trend entgegenkam: Qualität mit Chic zu erschwinglichen Preisen. Der rapide Aufschwung des Unternehmens verlangte allerdings, viermal jährlich Kollektionen mit 400 Modellen herzustellen, eine organisatorische Leistung, die sich nur mit einem eingefuchsten Team und mit heute 220 Angestellten realisieren läßt.

Uli Richter ist kein Modeaufzeichner, er ist ein Modedenker. Vordenken, überdenken und den Ablauf der Kollektion den Stoffen entsprechend im Kopf haben; dann alle Ideen mit den engsten Mitarbeitern durchsprechen und die danach hergestellten Skizzen korrigieren – das ist seine Aufgabe. Er war der erste, der mit Regie neue, lebendigere Modenschauen inszenierte, die immer nach Themen, Farben, in Gruppen und nach dem Rhythmus der neuesten Hits ablaufen.

Der typische „uli-richter-stil“ ist elegant ohne übertriebene Extravaganzen und negiert jeden Rückgriff in die Mottenkiste. Es ist eine Mode von heute, für Frauen, die ihr Geld dafür sicher anlegen und dabei angenehm auffallen wollen. Die Modelle leben vom Stoff und seinen Farben und haben bewußt etwas Konventionelles, eben so viel, wie Kleider höherer Preislagen verlangen, um nicht nach einer Saison demode zu sein.