Die Grundidee ist einleuchtend und simpel: Wir leben in einer finiten Welt. Unser Planet ist von endlicher Ausdehnung, folglich ist unser Lebensraum begrenzt, und unsere Rohstoffquellen sind nicht unerschöpflich. Begrenzt ist auch die Aufnahmefähigkeit von Erde, Wasser und Luft für den Abfall unserer Zivilisationen; nimmt er überhand, dann ist unsere Existenz bedroht. Schließlich ist noch die Anzahl der Naturgesetze von endlicher Größe, ergo ist das Reservoir der daraus ableitbaren Erfindungen, die uns Auswege aus der Verknappung von Raum und Material eröffnen könnten, ebenfalls nicht unbegrenzt. Und alles deutet darauf hin, daß Homo sapiens bis zu allen Grenzen seines finiten Daseins vorgestoßen ist. Es gilt also, mit dem, was uns noch verblieben ist, vernünftig hauszuhalten. Vonnöten sind darum eine globale Bestandsaufnahme unserer Ressourcen und eine weltweite Planung im weisen Umgang damit.

Das forderten dreißig Wissenschaftler, Industrielle, Techniker und Erzieher aus zehn Ländern, die sich vor fünf Jahren auf Anregung des früheren Fiat-Bosses und heutigen Industrieberaters Aurelio Peccei in der Accademia dei Lincei zum „Club of Rome“ zusammenfanden, um ihren Einfluß geltend zu machen, damit die Mächtigen der Welt endlich begreifen, was diese vorletzte Stunde der Menschheit wirklich geschlagen hat. Dieser Club, dessen Mitgliedschaft ebenso unverbindlich ist wie sein Name, wird im Oktober mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Seinen ersten Auftrag hatte der Club einer Gruppe von Systemanalyse-Spezialisten am Massachusetts Institute of Technology erteilt. Sie sollte die Grenzen unseres zivilisatorischen Wachstums ermitteln. Das Weltmodell, das als Resultat dieser Forschungsarbeit aufgestellt und am Computer durchgespielt wurde und dann in dem Buch „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht worden ist, ließ mit erschreckender Deutlichkeit erkennen, wie nahe wir dem Ruin unserer Spezies sind, wenn wir so weiterwursteln wie bisher. Unmißverständlich geht auch aus den Tabellen dieses mathematischen Planspiels hervor, was zu tun und vor allem zu unterlassen ist, damit unsere Art überleben kann.

Die Erdbevölkerung darf sich nicht weiter explosionsartig vermehren. Das industrielle Wachstum muß drastisch gedämpft, und die Produktionsstätten müssen gleichmäßiger, als es bis jetzt der Fall ist, über die ganze Welt verteilt werden, Vor allem gilt es, die Vernetzung aller Lebensbereiche zu erkennen, zu sehen, daß das Gefüge Zivilisation ein empfindliches Ganzes ist, ein Organismus, für den unkontrolliertes Wachstum, an welchem seiner Teile auch immer, lebensbedrohlich sein kann.

Kaum war eine kursorische Beschreibung dieser Studie im vorigen Frühjahr erschienen, da waren ihre Resultate und die Folgerungen daraus auch schon in aller Munde. „Die Grenzen des Wachstums“ wurden vehement diskutiert. Kein Politiker in der westlichen Welt, der seitdem nicht schon einmal darauf Bezug genommen hätte.

Die erste Äußerung des inzwischen auf 85 Mitglieder aus mehr als dreißig Ländern angewachsenen Club of Rome also fand weltweit Gehör. Das ist des Friedenspreises gewiß würdig.

Doch wird dem Aufhorchen der Menschheit auch das Handeln folgen, ehe es zu spät ist? Der Club, zu dessen Mitgliedern so prominente Industrielle wie der Chef der Battelle-Institute, Hugo Thiemann, so bekannte Wissenschaftler, wie Eduard Pestel von der Technischen Universität in Hannover und Männer an politischen Schalthebeln wie der wissenschaftliche OECD-Direktor Alexander King gehören, versucht durch eben solche Persönlichkeiten Einfluß auf Forschung, Industrie und Regierung zu nehmen. Aber selbst Peccei beurteilt diese Bemühungen eher pessimistisch: „Die überwiegende Mehrheit der Menschen wird mit der verzweifelten Anstrengung, um jeden Preis und ohne Rücksicht auf ihre Umwelt industrielle Kapazitäten zu entwickeln, das ökologische System der Erde weiter zerstören“, befürchtet er. Immerhin: Er und die Freunde in seinem exklusiven Club mit dem nichtssagenden Namen geben nicht auf. Das Weltmodell soll erweitert und verfeinert werden. Detailstudien über mögliche Entwicklungen in den kommenden dreißig Jahren sind in Auftrag gegeben. Vielleicht, so hoffen die prominenten Weltverbesserer offenbar, läßt sich die Menschheit doch noch zur Vernunft bringen, ehe sie sich in einer „Schlacht um die Erde“ vollends zugrunderichtet,

Thomas v. Randow