Von Wolfram Siebeck

Sie springt auf meinen Arbeitstisch, streckt sich und gähnt hemmungslos mit weitaufgerissener Schnauze.

„Im Radio hat jemand gesagt, daß Hans Hass gewisse Länder gewarnt hat... habe... also, sie sollen bitte aufhören, Fische abzurichten, die, na, du weißt schon, Delphine und Wale gegen Kriegsschiffe.“

Sprechen lernen sie hier – ich glaube, ich erwähnte es schon einmal – durch Werbefunk und -fernsehen.

Top-Set ist groovy! oder „Nein, ich bleibe bei Dash!“, so was geht ihnen mühelos von den Lippen. Dafür haben sie mit Schachtelsätzen gelegentlich Schwierigkeiten. Dann verstummen sie plötzlich und müssen sich ganz dringend das Fell putzen.

„Delphine und Wale“, sage ich nach einer Weile, „sind keine Fische, sondern Säugetiere.“

Da sie Lebewesen nur danach unterscheidet, ob sie Futter bringen oder nicht, beeindruckt sie das wenig. „Tiere für unnatürliche Tätigkeiten abzurichten, ist grausam“, miaut sie anklagend. (Die Sendungen von Horst Stern sieht sie also auch.) „Deshalb werde ich fortan keine Mäuse mehr fangen!“ (Fortan ist gut! Ob sie doch manchmal das Dritte Programm hört?) Tatsächlich ist sie zu faul zum Mäusefangen. Lieber liegt sie in der Küche herum und hört Radio. „Wenn der Hans Hass so was von den Fischen gesagt hat...“