Wer hätte nicht, wenn auch nicht so schön formuliert wie von Hermann-Josef Arentz, die Vermutung gehabt, daß „wir Menschen“ nur kategorial denken können, da – wir auf das linguistische Begriffssystem und dessen implizierte Kausal- und andere Erklärungszusammenhänge zwangsweise angewiesen sind? Wer wünschte sich da nicht einen möglichst differenzierten Sprachgebrauch? Eine Beschränkung des Vokabulars muß notwendig zu einer Einseitigkeit und Vorurteilsbefangenheit der Sprechenden führen.

Dies erkennt der Autor aber nun gerade im Lager der Linken (warum wohl?), die doch wenigstens partiell um einen differenzierten Sprachgebrauch bemüht ist. Auf dieser Seite, so will er glauben machen (manipulieren), herrsche ein übler Sprachgebrauch oder vielmehr Sprachmißbrauch, der nicht davor zurückschrecke, einfach bestimmte Begriffe wie den der Fortschrittlichkeit, der Progressivität, in ihren Dienst zu stellen. Sollte der Autor blind sein auf einem Auge, daß er nicht sieht oder vielleicht nicht sehen will, daß die Phrasendrescher in den verschiedensten Lagern zu Hause sind? Und hier zeigt sich nun, worauf seine scheinbar neutrale Einleitung eigentlich hinaus will: Es geht ihm nicht um eine Sprachdifferenzierung, sondern vielmehr darum, dem konservativen Lager ein neues, im Augenblick positiv bewertetes „Firmenschild“ zu geben, als ob sich dadurch auch nur irgendeine faktische Änderung ergäbe. Es bleibt fragwürdig, ob dem Konservatismus dadurch geholfen wäre, wenn er „den wertvollen Begriff des Fortschrittlichen“ sich aneignen würde. Denn wie er selbst in seinem sonst eher oberflächlichen Artikel schreibt, sind die kleinen pragmatischen Schritte entscheidender als formale Parolen. Warum will der Autor also eine neue Verpackung für dieselbe politische Bewegung?

In Wirklichkeit fehlt es den Konservativen keineswegs – ebensowenig wie den Progressiven – an Parolen, Etiketten oder psychologischen Freund-Feind-Schemata: Was meiner Meinung nach fehlt, ist ein überzeugendes Konzept und Programm, eine fundierte konservative Alternative. Dies wird auch nicht durch ein neues Image zu erreichen sein. Ein fortschrittlicher Konservatismus kann sich nicht formal-plakativ, sondern einzig und allein inhaltlich-programmatisch rechtfertigen. Doch gerade dies wird in dem Artikel unzureichend erkannt, und es bleibt bei der zwar richtigen, aber oberflächlichen Feststellung „Immer wieder wird manipuliert“, wobei diese formale Anklage einseitig auf die „Berufsprogressiven“ bezogen ist. Daß diese Feststellung inhaltsleer ist, wird klar, wenn man die Informationsleistung der Massenmedien untersucht: Stoffauswahl, Kameraeinstellungen, Bildersequenz und Schnitt stellen unvermeidlich Manipulationen (Handgriffe) dar. Die entscheidende Frage ist weniger, ob manipuliert wird, als vielmehr, wer manipuliert und mit welchem Interesse, mit welchen Mitteln und zu welchem Zweck. Doch diese entscheidende Frage wurde nicht gestellt, und so blieb der Artikel unergiebig und „einseitig. Thomas Noack, 19 Jahre