Wer viel Protein, hingegen wenig Kohlehydrate mit einer täglichen Nahrung zu sich nimmt und dazu noch weitgehend Fett vermeidet, kann relativ kurzer Zeit viel überschüssiges Körpergewicht loswerden. Die Frage aber ist, ob eine solche Diät dem menschlichen Organismus auf die Dauer zuträglich ist. Ein bekannter Ernährungsphysiologe, Harold Yacowitz, und seine Kollegen an der Fairleigh-Dickinson-Universität in Rutherford (US-Staat New Jersey) hegen jedenfalls arge Zweifel daran.

Die Wissenschaftler beobachteten fünf übergewichtige, ansonsten aber gesunde Männer und Frauen, die zunächst einmal zwei Wochen lang essen durften, was immer sie mochten. Dann aber wurde ihnen eine proteinreiche und fett- sowie kohlehydratarme Diät verschrieben. Vitamine und Minerale erhielten sie zusätzlich.

Innerhalb weniger Wochen nahmen die Versuchspersonen fünf bis neun Pfund ab. Der Erfolg der Kostumstellung also wurde durchaus sichtbar, und das Angenehme war: Die Patienten wurden stets satt und fühlten sich körperlich wohl.

Doch in dem Blut der Probanden fanden die Wissenschaftler ein Enzym, dessen Existenz darauf hinweist, daß Gewebeeiweiß im Körper abgebaut wird. Außerdem war im Urin der fünf Personen auffallend viel Kalk enthalten, ein Indiz dafür, daß den Knochen dieses für ihre Funktion wichtige Mineral entzogen wurde.

Offenbar, so mutmaßen Yacowitz und seine Kollegen, ist auch die viel propagierte Protein-Diät wie viele andere Pläne, nach denen sich zuviel Körpergewicht ohne Qual abhungern lassen soll, nicht ungefährlich. V. G.