Von Hans Otto Eglau

Er ist mit 43 Jahren so alt wie Helmut Kohl, stammt wie Helmut Kohl aus Ludwigshafen und besuchte sogar dieselbe Volksschule wie der neue Vorsitzende der CDU. „Das wichtigste ist aber“, so beteuert Kohls frischbestallter Generalsekretär Kurt Biedenkopf, „daß wir dieselbe Wellenlänge haben.“

Was mag ihn – aus der Sicht Kohls – für die Nachfolge des nach treuer Parteiarbeit abgelösten Routiniers Konrad Kraske qualifiziert haben? Biedenkopf glaubt: „Eine ziemliche Kombination erlernter Fähigkeiten.“ Diese Kombination verdankt der Partei-Außenseiter einer für ein Land mit starren Berufsbildern ungewöhnlichen Karriere: Nach dem Abitur Stipendium an einem amerikanischen College, Jurastudium in München und Frankfurt, Habilitation bei Professor Heinrich Kronstein (Thema: „Grenzen der Tarifautonomie“), mit 37 Jahren Gründungsrektor der Ruhr-Universität in Bochum, Berufung an die Spitze der von der Bundesregierung eingesetzten Mitbestimmungs-Kommission, Eintritt in die Geschäftsführung des Waschmittelkonzerns Henkel.

Der Topmanager Biedenkopf weiß zu gut, daß „man eine Partei nicht managen kann“. Organisieren, das heißt für ihn weniger den „Apparat“ in Bewegung zu halten, als die Steuerung von Entscheidungsprozessen oder – so Biedenkopf – „die inhaltliche Bewältigung der Diskussionsprozesse“. „Ich werde nicht Politik formulieren, aber ich werde dafür sorgen, daß Politik formuliert wird“, charakterisiert Kohls „General“ mit der ihm eigenen Neigung zu griffigen Formeln seine neue Aufgabe.

Helmut Kohl wird, davon ist der neue Chef im Konrad-Adenauer-Haus überzeugt, die Partei „sehr viel stärker inhaltlich führen“ als Rainer Barzel. Nach seiner Ansicht hat Barzel die beiden vergangenen Jahre für eine programmatische Erneuerung der Union nutzlos verstreichen lassen: „Er hat für mich erkennbar der Partei keine Impulse gegeben.“ Anders als der gescheiterte Kanzlerkandidat der Union, der in einer recht formalen Auslegung seiner Führungsaufgabe die „einzelnen Gruppen der Partei argumentieren ließ, um die Fülle der Anregungen zum Gegenstand seiner Politik zu machen“, werde sich Kohl an der Diskussion über Sachfragen intensiv beteiligen.

Nach Biedenkopfs Urteil muß die CDU erst noch lernen, „diszipliniert zu diskutieren“. Von Übel sei, daß Sachentscheidungen oft mehr durch das Votum bestimmter Parteigruppierungen als durch die Qualität der Argumente zustande kämen. In der CDU-Zentrale will der bisherige Henkel-Geschäftsführer praktizieren, was er cross relationship nennt – mehr Grundsatzgespräch über die engen Grenzen von Sachressorts hinweg: „Wir haben zu viele Einzelpolitiken und zu wenig Zusammenhang-Diskussion.“ In das Gespräch will Biedenkopf künftig auch Leute einbeziehen, „die nicht zur CDU gehören, ihr möglicherweise nicht einmal nahestehen“.

„Ziemlich unkonventionell“ möchte Kohls Bonner Statthalter seiner Partei „wissenschaftliche Hilfsmittel bei der Formulierung ihrer Politik“ zur Verfügung stellen. Es gilt als ausgemacht, daß der smarte Professor bald einige „Eggheads“ nachziehen wird. Biedenkopf ist überzeugt: „Ich weiß, wie man Leute zu Initiativen anregt, man muß eine kreative Atmosphäre schaffen.“ Im übrigen aber werde er die Bonner CDU-Organisation mit ihren 138 Leuten nicht auf den Kopf stellen.