Aus der EG-Metropole Brüssel kam das Gerücht, Bonn wolle einem ehemaligen Staatssekretär einen hohen Posten beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zuschanzen. Doch das Dementi ließ nicht lange auf sich warten: Im Justizministerium ist bislang offiziell nichts darüber bekannt, daß der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium Gerhard Reischl Generalanwalt in Luxemburg werden soll. Reischl (SPD) war im Herbst vergangenen Jahres nicht mehr zur Wahl des siebten Deutschen Bundestages aufgestellt worden.

Als Brüssel von den Gerüchten über Reischls mögliche Europa-Karriere hörte, reagierten die Eurokraten betroffen. Es ginge nicht an, so der verständliche Einwand, daß wichtige Posten in der Gemeinschaft zu-Versorgungsposten für ausgediente Politiker aus den Mitgliedsländern werden.

Verteidigungsminister Georg Leber ist auf der Suche nach einem neuen Präsidenten für das Koblenzer Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB). Der bisherige Präsident, Generalleutnant Dietrich Willikens, war erst Anfang 1972 in sein Amt eingeführt worden. Nach dem Soldatengesetz kann Willikens, der im September 58 Jahre alt wird, bereits in den Ruhestand versetzt werden.

Im Verteidigungsministerium ist aber zu hören, daß nicht das Alter von Willikens der Grund für die Suche nach einem Nachfolger ist, sondern Unstimmigkeiten zwischen ihm und Rüstungsstaatssekretär Siegfried Mann.

Hubertus Tessar, Sprecher der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels in Köln, kommentierte gelassen eine einstweilige Verfügung, die von der PR-Agentur Hoenisch, Kaminiski und Partner gegen ihn erwirkt worden war. Tessar darf nicht mehr erklären, die Agentur operiere bei ihrer Kampagne gegen das geltende Ladenschlußgesetz mit Gerüchten, Halbwahrheiten und Falschinformationen. Die Agentur arbeitet im Auftrag des Aktionskomitees Ladenschluß.

Tessar erklärt sich nach wie vor bereit, die Diskussion um das umstrittene Thema zu versachlichen. Allerdings fordert er im Interesse einer sauberen PR-Arbeit die Offenlegung der Geldgeber, die hinter der Ladenschlußaktion stehen. Tessar: „Aber immer, wenn man nach den Geldgebern fragt, kneifen die zusammen.“

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott seiner Bundestagskollegen nicht zu sorgen. Daß Mißgeschick passierte dem CDU-Abgeordneten und Textilindustriellen Reinbert van Delden. Seit langem kritisiert van Dulden, daß den Unternehmen der Versicherungswirtschaft die Bildung von Kartellen allzu leicht gemacht wird. Für anfechtbar hält van Delden vor allem die Kartellpraxis der Feuerversicherungen. Deshalb setzte er sich bei der Beratung der neuen Kartellnovelle dafür ein, daß auch die Vesicherungswirtschaft einer stärkeren Wettbewerbskontrolle durch das Bundeskartellamt unterstellt wird. Bisher hat das Kartellamt auf die Versicherungsunternehmen und deren Kartellpraktiken so gut wie keinen Einfluß.