Die Düsseldorfer Veba AG, zu 40 Prozent im Bundesbesitz, soll Kristallisationskern einer großen nationalen Mineralölgesellschaft werden. Nach den Vorstellungen der Bundesregierung soll die Veba die Essener Gelsenberg AG übernehmen und sich damit auf dem Mineralölgebiet zu einer Unternehmensgröße mausern, die zumindest nach europäischen Maßstäben als international gelten kann.

Die Verhandlungen, die erst in ihrem Anfangsstadium stehen und sich nach Aussagen von Veba-Chef Rudolf von Bennigsen über Monate hinziehen können, haben die Übernahme von Gelsenberg und der RWE-Tochter UK Wesseling durch die Veba zum Ziel.

Soweit bisher zu hören ist, wird der Bund vom RWE die Beteiligung an Gelsenberg in Höhe von 48 Prozent des Grundkapitals von 485 Millionen Mark erwerben und als Sachanlage gegen eine Kapitalerhöhung in die Veba einbringen. Gleichzeitig will die Veba den freien Gelsenberg-Aktionären ein Umtauschangebot machen und dazu eine weitere Kapitalerhöhung durchführen. Der Bundesanteil an der Veba würde sich durch die parallel laufenden Aktionen kaum verändern.

Außerdem ist vorgesehen, die Veba zum Alleingesellschafter der Deutschen Erdölversorgungsgesellschaft mbH Deminex zu machen. Außer Wintershall AG unterliegen alle Gesellschafter dieses Unternehmens der Kontrolle des Bundes.

Wenn das „Ölgemälde“ zustande kommt, dann entsteht ein Konzern mit etwa 17 Milliarden Mark Umsatz und rund 75 000 Beschäftigten, der sich an einer Rohölversorgung außer auf die libyschen Quellen von Gelsenberg und den nigerischen Konzessionen der Deminex wohl auch auf persisches Rohöl stützen könnte.

Die persischen Gelüste auf das Aral-Netz, an dem Veba/Gelsenberg mit 56 Prozent beteiligt sind, werden: sich allerdings kaum erfüllen lassen. Hier hat die US-Gesellschaft Mobil Ost mit einem Anteil von 28 Prozent Vetorechte. Aber Veba-Chef von Bennigsen hat schon einen Ausweg parat: Die Perser könnten an der Frisia AG beteiligt werden, über deren Erwerb der neue Ölriese gegenwärtig mit der amerikanischen Gulf Oil verhandelt. Zu einer Bekanntgabe der neuen Bonner Ölpläne vor einem konkreten Ergebnis entschlossen sich die Beteiligten im Hinblick auf die bisher ungeklärten Vorgänge bei der Übernahme der Rheinstahl-Mehrheit durch den Thyssen-Konzern. In einer Stellungnahme der Veba heißt es: „Die Presseverlautbarung erfolgt vor Beginn der Verhandlungen, um dem Vorwurf einer Insider-Bevorteilung zu begegnen. hgk.