Die von Anfang an umstrittene Phase III der amerikanischen Preis- und Lohnkontrollpolitik fand am 13. Juni ein ruhmloses Ende: In einer Fernsehansprache verkündete Präsident Richard Nixon seinem inflationsmüden Volk, es sei an der Zeit, endlich etwas gegen die explodierenden Preise zu unternehmen. Er ordnete daher ab sofort einen Preisstopp an – den zweiten innerhalb von 22 Monaten.

Zwei Monate soll das neue Kletterverbot für die Preise auf allen Handelsstufen gelten. Nur die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise bleiben vom Verdikt des Präsidenten ausgeschlossen, um eine weitere Verknappung des Nahrungsmittelangebots zu vermeiden. Dabei würde es der Präsident natürlich gern sehen, wenn die Unternehmer die Preise unter das Niveau der ersten acht Junitage senken würden.

Die Gewerkschaften hatten sich beklagt, die bisherigen einkommenspolitischen Maßnahmen hätten in unfairer Weise allein die Lohnsteigerungen beschnitten, während Preise und Gewinne nahezu „unanständige Wachstumsraten“ aufweisen. Die Phase IV gibt ihren Klagen nach; denn die Löhne werden nicht eingefroren. Die Unternehmen müssen sich dagegen eine Untersuchung der Steuerbehörde gefallen lassen, die bei übermäßigen Gewinnen Preissenkungen anordnen.

Schon seit Monaten kursierten Gerüchte, der Preisstopp stehe bevor; die Regierungsanordnung konnte also kaum überraschen. Dennoch stellt der zweite Teil des amerikanischen Stabilitätspakets eine unerwartete Maßnahme dar. Präsident Nixon fordert nämlich den Kongreß auf, das Stabilitätsgesetz durch eine Vollmacht zu ergänzen: Sie soll ihn zur Einführung von Exportkontrollen für Agrarprodukte ermächtigen.

Solche Exportkontrollen sind dann vorgesehen, wenn übermäßige Brotgetreide- und Futtermittelausfuhren das amerikanische Preisniveau in die Höhe treiben und zu ernsten Versorgungsschwierigkeiten in den USA zu führen drohen. Nixon will auf jeden Fall eine Wiederholung der in ihrem riesigen Ausmaß völlig überraschenden Getreidegeschäfte mit der Sowjetunion vermeiden; denn sie haben wesentlich zu den heutigen Preissteigerungen beigetragen.

Die Regierung betrachtet die Möglichkeit von Exportkontrollen zum Schutz der amerikanischen Verbraucher nur als ein befristetes Stabilisierungsinstrument und sieht darin keinerlei Widerspruch zu ihren handelspolitischen Forderungen gegenüber Europa und Japan. Die dirigistischen Eingriffe werden die amerikanische Verhandlungsposition bei den kommenden GATT-Gesprächen aber kaum erleichtern.

Die USA werden nämlich kaum erwarten können, daß Europa seine Märkte für amerikanische Agrarexporte öffnet und die eigene Produktion drosselt, wenn die Amerikaner den Export aus „nationalem Interesse“ kurzfristig stoppen können – auch wenn Finanzminister Shultz argumentiert: „Langfristig gesehen verhelfen uns die Maßnahmen zur Stabilisierung und Ausweitung unseres Agrarangebots. Wir brauchen die kaufkräftigen Märkte Europas und Japans und werden ihnen zuverlässige Lieferanten sein.“