Vor der Volkskammer in Ostberlin erklärte Außenminister Winzer bei der Ratifizierung des Grundvertrages:

„Artikel 3 des Vertrages und der ihm entsprechende Absatz der Präambel, daß die Unverletzlichkeit der Grenzen und die Achtung der territorialen Integrität und der Souveränität aller Staaten in Europa in ihren gegenwärtigen Grenzen eine grundlegende Bedingung für den Frieden sind’, befinden sich in voller Übereinstimmung mit Artikel 3 des Moskauer Vertrages und Artikel 1 des Warschauer Vertrages.

Die verbindliche Erklärung der an diesen drei Verträgen beteiligten Staaten, daß sie die Unverletzlichkeit der heute in Europa bestehenden Grenzen strikt achten werden, ist die völkerrechtliche Anerkennung und Sicherung des territorialen Status quo. Die in maßgeblichen Kreisen der BRD vertretene These von der Möglichkeit friedlicher Aufhebung von Grenzen durch Vereinbarung geht an den politischen Realitäten vorbei.

Es ist doch einfach absurd zu glauben, die sozialistische DDR könnte und würde jemals mit der kapitalistischen BRD über eine friedliche Aufhebung der bestehenden Grenzen verhandeln. Das ist zwischen zwei Staaten mit völlig gegensätzlichen Staats- und Gesellschaftsordnungen, die obendrein noch gegensätzlichen Militärbündnissen angehören, völlig unmöglich. Mit einer Normalisierung der Beziehungen entsprechend den Prinzipien der friedlichen Koexistenz wäre jeder solche Versuch völlig unvereinbar...

Der Vertrag selbst ist auf Dauer angelegt. Er enthält keinerlei Aussagen, die die Endgültigkeit der vereinbarten völkerrechtlichen Regelungen in Frage stellen könnten. Der Vertrag ist unbefristet und enthält keinerlei zeitlich noch anderweitig auflösende Bedingungen...

Ich darf mit allem gebotenen Ernst erklären, daß die Deutsche Demokratische Republik den Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen strikt nach Geist und Buchstaben erfüllen wird.“