Selbst CDU-Abgeordnete, die zunächst dem „Verräter“ Julius Steiner gezürnt hatten, fangen an, Mitleid für ihn zu empfinden. Der Doppelagent Steiner hat sich als hilfloses Objekt konspirativer Techniken erwiesen – damals bei der Anzettelung des Skandals ebenso wie jetzt beim Versuch der Aufklärung. So dubios die Praktiken gewesen sein mögen, mit deren Hilfeer vor dem Mißtrauensvotum „umgedreht“ wurde, so anrüchig sind gewiß auch die Methoden, die von Mitarbeitern der Illustrierten Quick angewandt wurden, um ihm ein Geständnis abzupressen.

Steiner wurde wochenlang in Österreich versteckt gehalten. Er war unerreichbar für die Bundesanwaltschaft, die sich lange Zeit vergeblich bemühte, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Der offenbar schwerkranke Mann wurde, solange er für Quick nützlich war, streng abgeschirmt. Und was die Methoden der Befragung durch die Quick-Redakteure angeht, so drängt sich sogar dem Sprecher der Bundesanwaltschaft die in bilderreiche Sprache übersetzte Vermutung auf, daß „neben der Peitsche das Mittel des Zuckerbrots oder daneben auch die Einwirkung von Banknoten nicht auszuschließen“ seien.

Um hehre Motive sind die Quick-Redakteure freilich nicht verlegen. Natürlich geschah alles im Dienste der Gerechtigkeit, im Interesse der Bundesrepublik Deutschland. Und so kommt es denn, daß in der jüngsten Ausgabe der Illustrierten neben prallen Busen auch das Gewissen von Julius Steiner ausgestellt ist. Im Interesse der Bundesrepublik Deutschland? R. Z.