Wenn in Bonn zwei sich streiten, freut’s den Dritten nicht in jedem Falle. Es könnte auf seine Kosten gehen. Streiten sich zwei um den zweiten Platz im Staate, dann können oftmals nur noch Verfassungsjuristen helfen, und spätestens da ist es mit dem Spaß dann ganz aus. Eugen Gerstenmaier, der über die, über seine Rangfolge lange Jahre einen rechthaberischen Streit mit Konrad Adenauer ausfocht, mochte am Ende vom Protokoll zwischen Bundespräsidenten und Bundeskanzler placiert werden – geholfen hat es ihm nicht viel, seine Bedeutung wurde nicht größer. Auf dem Markt der kleinen Bonner Eitelkeiten spielt die Reihenfolge ihre Rolle, zumal dann, wenn plötzlich eine Dame in die Nachfolge tritt. Kann sie von sich behaupten, sie sei der Zweite Mann im Staate?

Der kleine Streit, den sich zwei Parlamentspublikationen zur Zeit leisten, läßt diese Facette unberücksichtigt. Leider, das Gespür für Chevalereskes muß den Notwendigkeiten staatsbürgerlicher Bildung weichen, sonst hätten die Verfasser von „Alles über den Bundesrat“, die neuerdings kess für den Bundesratspräsidenten die „Nr. 2 in Bonn“ reklamieren, eine vornehme Verbeugung gemacht, und der Dame im Nebengebäude, die Parlamentspräsidentin ist, den Vorrang gelassen. Und ohne Gefühl für Feines waren auch die Verfasser von „Parlament heute“, die Frau Renger qua Protokoll verweigern, was sie mit Liebreiz Kraft ihrer Natur für sich beanspruchen könnte, den ersten Platz, wenn auch nicht streng nach Protokoll. Denn der Zweite Mann im Staate ist wohl die Erste Dame des Landes, und diese Formel könnte sogar das Wohlgefallen selbst des humorlosen Bonner Protokolls finden. E. N.