Mit großem Ministergefolge kommt Präsident Pompidou nach Bonn. Schwierige Probleme gibt es wahrlich genug bei diesen deutsch-französischen Konsultationen. Der Pariser Außenminister Jobert hat sie in die Formel gekleidet, es gehe darum, „daß wir uns nicht weiter voneinander entfernen, sondern uns allmählich näherkommen“.

Die Differenzen zeigten sich unter anderem bei der Reaktion auf den amerikanischen Vorstoß in Richtung auf eine neue europäisch-atlantische Partnerschaft. Er wurde in Paris besonders kühl und dilatorisch behandelt. Zwar unterstützt auch Pompidou die inzwischen zum Gemeinplatz gewordene Forderung, Europa müsse mit einer Stimme sprechen; wann und wie aber gesprochen werden soll, bleibt vorläufig ein französisches Geheimnis. Und nach wie vor ungeklärt ist auch, wie die Währungs- und Wirtschaftsunion fortentwickelt werden und was mit dem Agrarmarkt geschehen soll. Auch hier gibt es Hoffnungen und Befürchtungen, aber keine Klarheit.

Die europäische Politik krankt gegenwärtig daran, daß Frankreichs Partner keine verläßliche Vorstellung von den Absichten der französischen Politik besitzen. Sie ist gewiß nicht ohne Widersprüche: Einerseits stellt sich Frankreich als Vertreter des „europäischen Europa“ dar, andererseits spielt es den Part einer großen souveränen Nation und beansprucht eine Sonderrolle. Cartesianische Klarheit scheint derzeit nicht die Stärke der französischen Politik zu sein. R. Z.