FKK-Ferienziele gehen „weg wie warme Semmeln“, berichten die Reiseveranstalter übereinstimmend. Während in der Vorsaison in Jugoslawien der Betrieb in den normalen Hotels nur langsam anlief, waren Häuser in der Nähe von FKK-Stränden und die FKK-Bungalow-Ferienanlagen schon fast voll belegt.

Eine Enttäuschung erlebten freilich jene Vorsaison-Kurzurlauber, die südlich von Ulcinj die seit dem 15. April in den Flugprogrammen angebotene FKK-Ferieninsel Ada gebucht hatten: Sie bekamen das neue Objekt erst gar nicht zu Gesicht, sondern wurden im Hotel- und Bungalowkomplex am Lido einquartiert. Ada ist noch eine Baustelle.

Diese Panne muß verwundern, denn nicht weniger als sechs deutsche Reiseveranstalter (Touropa, Transeuropa, Kaufhof, Hetzel, Miramare, Isaria) sowie zwei britische Unternehmen haben die neue Feriensiedlung in ihren 1973er Katalogen ausführlich angekündigt. Offenbar ist die Nachfrage nach FKK-Quartieren so groß, daß die Veranstalter blind zugreifen, um sich ein möglichst großes Bettenkontingent zu sichern. Ein äußerst anfechtbares Verfahren, das außerdem – wie man sieht – nur rufschädigend wirken kann.

Zwei Vertreterinnen der britischen Veranstalter, die Anfang Mai Ada inspizieren wollten, blieben auf der Zufahrtsstraße, die diesen Namen beim besten Willen nicht verdient, im Schlamm stecken und mußten unverrichteterdinge wieder umkehren. Eine Woche später hatte der Direktor der Hotelgesellschaft, die für Ada verantwortlich ist, größte Mühe, die Lkw-Piste nach Ada ausfindig zu machen. Die bisher aufgestellten Holzbungalows verdienen eher die Bezeichnung Hundehütte: Sie sind so klein geraten, daß darin nur mit Mühe drei Personen Platz finden. Neben einem Freisitz bieten sie nur einen Schlafraum und ein WC mit Dusche – sonst nichts. Das Restaurant war noch nicht fertig, das letzte Stück der Wasserleitung fehlte ebenso wie der versprochene Stromgenerator, von Sportmöglichkeiten, Reitpferden und Strandbar keine Spur. Für Naturfreunde, die abseits der Zivilisation ruhige Ferien in einer ursprünglichen Landschaft verbringen wollen, wird Ada vielleicht einmal ein empfehlenswertes Quartier. Aber nicht mehr in diesem Jahr.

Über das im Vorjahr eröffnete FKK-Ferienzentrum Punta Skala bei Zadar hatten sich 1972 viele Urlauber beschwert: In der Umgebung wurde unentwegt gebaut, Lärm drang an ruhesuchende Ohren, der Service war mangelhaft, der im Prospekt angekündigte Kinderspielplatz existierte nicht, es gab Klagen über die Reiseleitung. FKK-Spezialveranstalter Oböna, der Punta Skala mit den gesamten 1500 Betten (davon 450 im Hotel) allein belegt, hat die jugoslawische Eigentümer-Gesellschaft mit Erfolg an ihre vertraglichen Verpflichtungen erinnert. Alle Beanstandungen des Vorjahres wurden beseitigt. Hier ist eine landschaftlich besonders schöne Ferienanlage für FKK-Freunde entstanden, die tatsächlich – wie wir in „Tips 73“ berichtet haben – zum Hit der FKK-Ferien in Jugoslawien werden kann. Verbessert beziehungsweise ergänzt werden müssen allerdings noch die Sportmöglichkeiten. Auch für die Sicherheit der Urlauber ist bisher kaum etwas geschehen: Fischereifahrzeuge und Sportboote pirschen hautnah an den Strand heran, um etwas nackte Haut zu sehen.

Oböna sind diese Mängel bekannt, aber der Fall Punta Skala zeigt, daß in Jugoslawien auch die Einwirkungsmöglichkeiten eines Reiseveranstalters auf die für den Bau verantwortliche Gesellschaft begrenzt bleiben. Deshalb will der Veranstalter jetzt mit Hilfe einer Umfrage das Votum der Gäste einholen. Vielleicht hilft der Druck der großen Zahl, die bisher noch nicht erfüllten Forderungen bei den Eigentümern durchzusetzen.

Armin Ganser