Deutsche Brauereien wollen die Einwegflaschen wieder abschaffen

Deutsche Glashütten legen sich mit ihren besten Kunden an. Die Brauereikonzerne möchten die Einwegflaschen, die ihnen die Glashütten seit nunmehr sieben Jahren empfohlen und mit steigendem Erfolg auch verkauft haben, langsam wieder aus dem Verkehr nehmen.

Der Grund wird im Bielefelder Oetker-Konzern (Dortmunder-Actien-Brauerei, Berliner Kindl, Binding-Brauerei in Frankfurt) deutlich genannt: Die Einwegflasche sei „eine gigantische Verschwendung“, die den Konsumenten nicht länger zugemutet werden könne. Zudem passe sie nicht mehr in die verstärkten Bemühungen um eine bessere Umwelt.

Die Glasindustrie – derart ins Abseits gedrängt – versuchte, ihre Argumente durch ein Gutachten zu erhärten. So ergab eine Dokumentation des Ausschusses für Umweltfragen im Fachverband Hohlglasindustrie, daß es selbst dann nicht zu einer „Müllkatastrophe“ kommen würde, wenn die Einwegflasche die Pfandflasche total ersetzen sollte.

Die Sorgen der Flaschenfabrikanten, das wachsende Umweltbewußtsein könne den Vormarsch der Einwegflasche bremsen, scheint allerdings nicht unberechtigt zu sein. 1972 ist die Produktion von Einwegflaschen für Bier in der Bundesrepublik nur noch um vier Prozent von 529 auf 551 Millionen Stück gestiegen. Diese spärliche Zunahme reicht nicht aus, um den Rückgang bei den Pfandflaschen auszugleichen. So wurden 1972 insgesamt nur 1384 Millionen Bierflaschen produziert. Ein Jahr zuvor waren es noch 1494 Millionen. Die Bilanz fällt allerdings günstiger aus, wenn auch die Flaschen für Mineralwasser, Säfte, Limonaden, Wein und andere Getränke hinzugerechnet werden. Die Produktion von Einwegflaschen stieg um über sieben Prozent und die Gesamtzahl der Flaschen um gut zwei Prozent auf fast fünf Milliarden Stück.

Doch wenn die Glashütten auch weiterhin einen Umsatzzuwachs erzielen wollen, müßte sich die Einwegflasche im Braugewerbe weiter durchsetzen. Denn nach der Umrüstung auf die standardisierte Euroflasche, die bruchsicherer ist als die bisherige, sind die Wachstumschancen im Pfandbereich minimal.

Die Bierbrauer entdecken immer mehr die Verbraucher und die Umwelt. So sieht auch Bernhard Scheublein, Chef der Münchner Paulaner-Salvator-Thomas-Brauerei AG, in der Einwegflasche ein für den Verbraucher teures Verpackungsmaterial. Nur wenn der Kunde es wünsche, werde er mit Bier in Einwegflaschen beliefert. Dieser Wunsch freilich ist nicht groß: bei Paulaner nur knapp über zehn Prozent des Flaschenbieres.