Der Schuß der Deutschen Bundesbank traf ins Schwarze. Mit ihrem Beschluß vom 7. 6., den Banken aus der Liquiditätsklemme durch Aufkauf von Wechseln zu helfen, hat sie innerhalb weniger Tage das Gesicht des Rentenmarktes verändert. Zum erstenmal seit fast zwei Monaten zogen die Rentenkurse leicht an. Trotzdem sollte das nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen.

Der Zehnprozenter ist da. Vorreiter war die Zentralkasse Norddeutscher Volksbanken, ihr folgten die großen Dauerremittenten aus dem Sparkassen- und Genossenschaftsbereich.

Für den Monat Juli kündigte Bundesbankpräsident Klasen die zweite Tranche der Stabilitätsanleihe an, deren Zinssatz „nicht unter zehn Prozent liegen wird“. Dieser Satz sei zwar hoch, betonte Klasen, aber marktgerecht.

Die hohen Zinsen am Rentenmarkt reizen natürlich, Aktienbestände abzubauen und die Positionen an Rentenwerten zu vergrößern. Verfolgt man die Entwicklung der Aktienkurse und der Renditen für festverzinsliche Wertpapiere, dann stellt man in der Tat fest, daß höhere Zinsen am Rentenmarkt zu Abschlägen an den Aktienbörsen führen. Bei genauerem Hinsehen – so schreibt die Norddeutsche Landesbank – kommt man sogar zu dem Ergebnis, daß die Aktienkurse erst relativ spät auf Renditeerhöhungen am Rentenmarkt reagieren.

Barometer für die Stimmung der Aktionäre wird somit immer deutlicher der Inflationsindikator. Solange die Preissteigerungen nicht eingedämmt werden können, besteht wenig Hoffnung für Aktionäre. jfr.