Von Rolf Diekhof

Hanseatische Reeder, bekannt für Stil und Verschwiegenheit, sind über die Geschäfte der Konkurrenz stets bestens informiert. „Wenn einer von uns Sorgen hat“, so Gilbert von Holtzapfel, Geschäftsführer bei der Deutschen Atlantik Linie (DAL), „dann weiß es die ganze Küste.“ Größere Sorgen hat diesmal der Däne Axel Bitsch-Christensen, Holtzapfels Chef und Gründer der DAL: Seine beiden Luxusdampfer „Hamburg“ und „Hanseatic“ fahren im Touristeneinsatz gegen eine Woge roter Zahlen.

Als sicheren Hafen peilen die bedrängten Hamburger eine Adresse in Bremen an – Hapag-Lloyd, die größte deutsche Reederei. Doch die Überlegung der Hamburger, die beiden DAL-Schiffe in Zukunft zusammen mit der „Europa“ des Hapag-Lloyd für eine Kasse schippern zu lassen, kommt gerade jetzt ungelegen.

Über die Mißgunst der Stunde klagt DAL-Geschäftsführer Holtzapfel: „Erst wenn die endgültigen Pläne von Hapag-Lloyd bekannt sind, wird man zueinander kommen.“ Im dunkeln liegen noch die Pläne des Wunschpartners für den Tourismus auf hoher See.

Über diese Pläne aber, es geht um den Bau von zwei neuen Musikdampfern, sind bei Hapag-Lloyd „noch keinerlei Entscheidungen gefallen“, so Vorstandsmitglied Horst Willner, Grundsätzlich widmet man dem Kreuzfahrtgeschäft „sehr großes Interesse und Aufmerksamkeit“ (Willner). Jenseits des Grundsätzlichen aber beginnen die Schwierigkeiten.

Gegenwärtig kreuzt unter der Hapag-Lloyd-Flagge nur noch die beugte „Europa“, „eine liebenswürdige alte Dame“ (Willner), deren Tage gezählt sind. Denn die alten Luxus-Liner, wie die „Europa“ und auch die „Hanseatic“, die ursprünglich für den Liniendienst gebaut wurden, sind im Kreuzfahrtgeschäft schlecht einzusetzen.

Zuviel Plüsch und zuviel Personalbedarf machen die einst berühmten Liner schwerfällig und unwirtschaftlich. Nach dem Zusammenbruch der Nordatlantiklinien werden die ehemaligen Paradeschiffe der Italiener, Engländer, Franzosen und Amerikaner nur noch mit Millionensubventionen und meist im Touristeneinsatz mühsam über Wasser gehalten, wenn sie nicht an einem Kai verrotten.