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Frankfurt Bis zum 12. August, Kunstverein: „Käthe Kollwitz“

Das gern zitierte Wort der Kollwitz „Ich will wirken in dieser Zeit“ gibt den Leitfaden, das Leitmotiv für die Ausstellung, die von einer Arbeitsgruppe des Kunstgeschichtlichen Instituts der Universität Frankfurt im Kunstverein realisiert wurde. Georg Bussmann, Direktor des Kunstvereins und Mitglied der vierzehnköpfigen Arbeitsgruppe, bezeichnet es als Ziel der gemeinsamen Bemühung, „die Bedingtheit und Begrenztheit des bürgerlichen Kollwitzbildes deutlich werden zu lassen und zugleich zu durchbrechen, indem ein Ansatz zu einem neuen Köllwitzbild aufgezeigt wird“. Daß die Ausstellung diesem neue, nicht mehr bürgerlich begrenzte Kollwitzbild dem Betrachter nicht zu vermitteln vermag, ist nicht den Veranstaltern anzulasten. Dazu müßte neues, unbekanntes Material vorgelegt werden, das unser bisheriges Kollwitzbild als falsch oder auch nur als unvollständig denunziert. Aber es gibt nichts dergleichen, nichts an diesem Werk ist neu zu entdecken oder der Vergessenheit zu entreißen. Sämtliche 200 Exponate, die Zeichnungen, Druckgraphik, Plakate (die Plastik, die immerhin einen wesentlichen Teil des Œuvres ausmacht, ist nicht ausgestellt), sind auch im Westen, auch in der Bundesrepublik bekannt und geschätzt. Es: kann sich also bestenfalls um eine veränderte Interpretation des Werks handeln, indem sein „Wirkungszusammenhang“, seine im Westen gelegentlich unterschätzte politische Dimension aufgezeigt wird. Aber auch in Frankfurt steht man vor dem Dilemma, wie man im Rahmen einer Kunstausstellung den sozialhistorischen, Kontext zur Anschauung bringen soll. Der Besuchen muß sich mit verbalen Hinweisen, mit Bildunterschriften begnügen, die den Zeitbezug herstellen und das soziale Milieu definieren,, aus dem heraus die einzelnen Blätter entstanden sind. Daß man das Werk der Kollwitz nicht losgelöst von seiner sozialen Motivation sehen kann, ist inzwischen auch für bürgerliche Interpreten zur Binsenwahrheit geworden. Das große humanitäre Pathos, der unsentimentale Appell an das Mitgefühl, die Parteinahme für die Entrechteten und Unterprivilegierten bestimmen seinen Rang.

Auch die Frankfurter Ausstellung mit ihren politischen Intentionen kann nichts daran ändern, daß diesem engagierten Werk der kämpferische, erst recht der klassenkämpferische Elan fremd ist.

Man braucht nicht erst ihre Tagebücher und Briefe heranzuziehen, um ihre skeptische, zweifelnde Haltung zur revolutionären Aktion nachzuweisen. Darüber hinaus zeigt die chronologisch geordnete Ausstellung, daß Käthe Kollwitz den akademischen Naturalismus ihrer frühen Arbeiten nur geringfügig modifiziert, daß sie an den progressiven künstlerischen Tendenzen ihrer Zeit nicht teilgenommen hat. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden Bis zum 5. August, Staatliche Kunsthalle: „Alfred Jensen“