Die British American Tobacco (BAT) bemüht sich derzeit, ihre starke Abhängigkeit von Tabak zu verringern. Der Londoner Zigarettenkonzern (Jahresumsatz 1971/72: über 15 Milliarden Mark) machte letzte Woche ein Übernahmeangebot an den amerikanischen Warenhauskonzern Gimble Brothers.

Für eine Summe von 195 Millionen Dollar möchten die Engländer 36 Warenhäuser, vornehmlich in New York, Milwaukee, Pittsburgh und Philadelphia, und die zum Konzern gehörende Modehauskette Saks-Fifth Avenue übernehmen. BAT übertraf mit seiner Offerte ein Angebot der amerikanischen Loews Corporation (Zigaretten, Theater, Hotels und Immobilien) beträchtlich. Loews ist bereits mit 20 Prozent an Gimble beteiligt.

Wenn der BAT-Antrag von den Gimble-Aktionären, zu denen mit zehn Prozent auch die Direktoren mit ihren Familien gehören, angenommen wird, kann sich BAT zu einem der bedeutendsten Einzelhandelsunternehmen der Welt zählen. Der Umsatz der amerikanischen Waren- und Modehaus-Gruppe betrug Ende 1972 über zwei Milliarden Mark.

– Den ersten Schritt in den Einzelhandel machte BAT 1971, als die Engländer sich mit 25,6 Prozent an der Düsseldorfer Horten AG beteiligten. Im August letzten Jahres übernahmen die britischen Tabakherren 80 Prozent des amerikanischen Supermarkt- und Warenhauskonzerns Kohl Corporation. In England wurde die Supermarktkette International Stores übernommen. Letzter BAT-Zuschlag: eine 60prozentige Beteiligung an der brasilianischen Supermarktkette Peg-Peg.

Vorstandsvorsitzender der BAT, Richard Dobson, zeigte sich „sehr begeistert über die Offerte. Die Namen Gimble und Saks sind in allen US-Haushalten ein Begriff“. Doch die britische Wirtschaftszeitung Financial Times dämpfte den Optimismus. „Die Vereinigten Staaten erleben einen Konsum-Boom“, schrieb das Blatt, „doch traurige Tatsache ist, daß Gimble daran nicht profitiert.“ gf