Jahr für Jahr blasen die gebräuchlichen Kernkraftwerke je 13 000 Curie-Einheiten Xenon-133 und 20 Curie-Einheiten Krypton-85 in die Luft (eine Curie entspricht der Strahlungskraft von einem Gramm Radium). Es handelt sich bei diesen radioaktiven Stoffen um Edelgase, die chemisch sehr reaktionsträge und daher schwer einzufangen sind. Wenn sich diese Substanzen auch nicht in der Nahrung anreichern, können solche Mengen doch keineswegs als ungefährlich für den Menschen angesehen werden.

Es hat denn auch nicht an Versuchen gefehlt, diese Stoffe aus der Abluft der Kernkraftwerke zu entfernen. Dafür bieten sich zwei herkömmliche Methoden an: das Ausfrieren bei sehr tiefen Temperaturen und die Adsorption an Aktivkohle. In der Praxis wird das zweite Verfahren bevorzugt; man läßt die Gase durch Filter mit jeweils 100–200 Tonnen Aktivkohle streichen. Dabei werden die Gase nicht für dauernd adsorbiert, sondern nur für so lange festgehalten, bis ihre Radioaktivität auf einen erträglichen Wert abgesunken ist. Diese Methode ist beim Xenon effektiver als beim Krypton, weil von einer bestimmten Zahl Xenon-133-Atome schon nach etwa fünf Tagen die Hälfte zerfallen ist, während diese „Halbwertzeit“ beim Krypton-85 zehn Jahre beträgt.

Vor einigen Jahren aber sind zum Erstaunen der Fachwelt von den bis dahin für völlig inert gehaltenen Edelgasen Verbindungen hergestellt worden, etwa von Krypton und Xenon mit extrem reaktionsfähigen Elementen wie Fluor. Inzwischen ist die Chemie der Edelgasverbindungen erforscht worden und viele solcher Stoffe erwiesen sich als recht stabil.

Wie Lawrence Stein vom Argonne National Laboratory in Illinois (USA) berichtet, ist es jetzt sogar gelungen, eine Substanz zu finden, die schon bei Raumtemperatur mit Xenon reagiert und es fest bindet. Ihr chemischer Name: „Dioxygenylhexafluoroantimonat“. Sie bildet weiße Kristalle und ist verhältnismäßig harmlos zu handhaben. Der Stoff zersetzt sich allerdings sofort mit Wasser, die zu reinigenden Gase müssen deshalb vorher getrocknet werden. Man stellt diese Verbindung aus Sauerstoff, Fluor und Antimonpentafluorid unter Bestrahlung mit Licht her.

In Zukunft wird man also die 200 Tonnen Aktivkohle durch 10–50 Kilogramm der neuen Substanz ersetzen und bessere Ergebnisse erreichen. Leider bindet sie kein Krypton, doch wird in dieser Richtung weitergesucht, um einen Stoff zu finden, der auch dieses chemisch ähnliche Element an sich fesselt. -the