Nur der Patient, der an seine Gesundheit glaubt, wird sie auch wiedererlangen; dieser altbewährte Grundsatz medizinischer Heilkunst hat nun auch in der Konjunkturpolitik seinen Einzug gehalten. Bundeswirtschaftsminister Friderichs läßt keine Gelegenheit aus, bei seinen öffentlichen Auftritten um Vertrauen in das Gelingen der Stabilitätsbemühungen zu werben. Und nicht zu schnell vergessen werden sollten die Worte, die BDI-Präsident Sohl vor einigen Tagen an die deutsche Industrie richtete.

„Jeder, der Entscheidungen trifft, die Auswirkungen auf Kosten, Preise und öffentliche Ausgaben haben, sollte heute schon von einem Erfolg des Programms ausgehen“, formulierte Sohl. Das ist keine Seelenmassage; das ist ein Appell an das den Unternehmern eigene legitime Selbstinteresse, nicht um kurzfristiger Vorteile willen den langfristigen Erfolg zu verspielen.

Bundesbankpräsident Klasen sprach nach der letzten Sitzung des Zentralbankrates noch von den Opfern, die alle Gruppen bringen müßten. Das ist hochherzig gedacht und gesagt. Doch einer anonymen Massengesellschaft fallen Opfer schwer. Sagen wir darum lieber nüchterner so: Wer nicht nur heute, sondern auch morgen auf dem Markt bestehen will, tut sich selbst den größten Gefallen, schon jetzt der Veränderung der wirtschaftlichen Daten Rechnung zu tragen. Das gilt gleichermaßen für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. kr