Auf der Woge mittleren Wohlstands wollen Millionen Deutsche den Umgang mit Pinne und Schot erlernen. Segeln steht, wie Recherchen der Sportartikelindustrie ergeben haben, neben Reiten an der Spitze sportlicher Wunschvorstellung. Die leichten Kunststoffjollen, die man auf Ptw-Anhängern zum Wasser schleppen kann, lassen solchen Wunsch immer häufiger denn je Wirklichkeit werden. Der Segelsport hat Traditionsballast abgeworfen; und davon profitiert auch seine Sach- und Fachliteratur, die sich nun auf breite Leserkreise einstellt. Bestes Beispiel dafür ist das rechtzeitig zur Saison erschienene beste Lehrbuch für Anfänger:

Joachim Schult / Richard Creagh-Osborne: „Das ist Segeln“; Verlag Delius, Klasing & Co., Bielefeld; 224 S., 19,80 DM.

Der Text ist frei von Schnörkeln. Das ganze Buch ist im höchsten Grade anschaulich; und das liegt an der Fülle farbiger Zeichnungen von Peter Milne, der hier nicht bloß Illustrator, sondern der eigentliche Autor ist. Der in Regatten wie auf Touren segelsporterfahrene britische Zeichner hat Seite für Seite dargestellt, was mit Worten dem Anfänger nur schwer oder gar nicht zu erklären ist. Natürlich lernt man Segeln, indem man segelt; mit diesem Buch und seiner visuellen Methode aber lernt man es schneller und einfacher, ohne dabei auf die Sandbank der Simplizität zu laufen. Es enthält alles, was der Jollensegler wissen muß, bis er Regattareife erlangt. Dann mag er zu diesem Lehrbuch für schon Fortgeschrittene greifen:

Roland Denk: „Klar zum Regattasegeln“; BLV Verlagsgesellschaft, München; 136 S., 18,– DM.

Zeichnungen und viele Photos, meist von der Kieler Woche, machen auch hier deutlich, was in Sätzen nur mehr oder minder gewunden ausdrückbar ist. Das Wichtigste über Regeln, Technik und Taktik wird didaktisch klug erläutert; dabei wird in knapper Form eine immense Stoffmenge bewältigt. Regattasegeln ist zwar keine Schwarze Kunst, erfordert aber, vom Start des Neulings an, mehr Wissen und auch „Witz“, als manche Leute auf dem Yachtklubsteg sich träumen lassen. Dieses Buch hat das alles. Außerdem gibt es eine ausführliche Anleitung zu dem, was viele Segler, auch wenn sie Leistungssportler sind, immer noch zu gering achten: zum Konditionstraining nämlich. Wie wichtig es ist, hatte ja schon Poul Elvström demonstriert. Der berühmte dänische Segler hatte sich in jungen Jahren ein Gestell gezimmert, an dem er an Land tausendmal Rumpfbeuge rückwärts übte; er wurde dann, freilich nicht nur deshalb, viermal Olympiasieger in der Ein-Mann-Jolle.

K.-H. A.