Seelenmassage kann keine Wirkung zeigen; Unternehmer müssen sich am Markt orientieren

Wer miterlebt, wie der Bundeswirtschaftsminister landauf, landab herumreist und um stabilitätsgerechtes Verhalten wirbt, muß daran zweifeln, daß wir den segensreichen Wirkungen eines „harten und einschneidenden, eines kompromißlosen Stabilisierungsprogramms“ (Friderichs) entgegensehen können. Vieles erinnert an die Seelenmassagen Ludwig Erhards aus längst vergangenen Zeiten.

Vor der Stuttgarter Jahrestagung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie meinte der Minister, an die Adresse von Arbeitgebern und Gewerkschaften gewandt, sogar in spürbar drohendem Unterton, wer jetzt noch bei Löhnen und Preisen das letzte herauszuholen versuche, „spiele mit dem Feuer und trage auch die Verantwortung für ein mögliches Beschäftigungsrisiko“.

Offensichtlich auf Drängen Friderichs fiel BDI-Präsident Hans-Günther Sohl in einem Appell an die Unternehmer jetzt in den Bonner Stabilitätshymnus ein: „Jeder, der Entscheidungen trifft, die Auswirkungen auf Kosten, Preise und öffentliche Ausgaben haben, sollte heute schon von einem Erfolg des Programms ausgehen.“

„Programmgemäßes“ Verhalten wird vor allem von den Unternehmern erwartet. Sie stehen unmittelbar an der Preisfront und damit im Schußfeld der Gewerkschaften. Ihre Logik: „Die Unternehmen machen die Preise, folglich sind sie auch für die Preissteigerungen verantwortlich.“

Unbestreitbar tragen die Unternehmer in unserer Gesellschaft eine hohe Verantwortung. Ihre oft erhebliche Macht strahlt bis weit in den politischen Bereich aus. Ihr pures Dasein beeinflußt ganze Städte und Stadtregionen, das Leben von Millionen Menschen. Man denke etwa nur an den Umweltschutz, an die Schaffung sozialer Einrichtungen, die Beteiligung der Beschäftigten am Vermögen oder an die Mitbestimmung.