Walter Jens: „Fernsehen – Themen und Tabus, Momos 1963 bis 1973“. Als Walter Jens, Professor für Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen, Lessing-Preis-Träger und Ehrendoktor der Universität Stockholm, vor Jahren Fernsehkritiken für die ZEIT zu schreiben begann, nannte er sich Momos, das ist der antike Anwalt des Tadels. Aus den nahezu 500 bisher erschienenen Kritiken ist jetzt eine Auswahl erschienen. Man sieht, liest man auch nur einen kleinen Teil der Sammlung, was die Signatur eigentlich bedeutet: ein permanent dialektisches Spiel mit der Negation, die, wo es dem Schreibenden geboten erscheint, ins Gegenteil umschlägt: in Bejahung, Lob. Man liest die Rezensionen a) als isolierten Unterhaltungsstoff; b) als integrierende Bestandteile einer Dokumentation der Zeitgeschichte, unter anderem Fernsehgeschichte; c) als Orientierungshilfen in einer Zeit, da Fernsehdramaturgie noch immer nicht recht etabliert, die Ansätze dazu allerdings in ihrer Bedeutung von der Mehrzahl der Fernseh-„Normalverbräucher“ auch nicht erkannt und anerkannt sind. Und hier lautet nun eine Kardinalfrage; die wir mit den Worten des Verlages wiedergeben: „Mit welchen Mitteln gelingt es dem Fernsehen, die medial manipulierte Realität für die Wirklichkeit selbst auszugeben?“ (R. Piper & Co. Verlag, München; 192 S., 8,– DM)