Der Bundesjustizminister will die Haftung der Reiseveranstalter gesetzlich regeln

Die meisten der vier bis fünf Millionen Touristen, die Jahr für Jahr eine Pauschalreise bei einem Reiseveranstalter buchen, haben es nie gelesen: das Kleingedruckte in den farbenprächtigen Reiseprospekten. Dabei wurde und wird es ebenso regelmäßig Jahr für Jahr mindestens vierzig- bis fünfzigtausend von ihnen zum Verhängnis. Hinter der schlichten statistischen Notierung „ein Prozent Beanstandungen“ verbergen sich ungezählte verpatzte, verdorbene, sinnlose und vor allem unwiederbringlich verlorene Urlaubstage. Inwieweit die Statistik, dabei das tatsächliche Geschehen exakt widerspiegelt oder aber eine erhebliche Dunkelziffer unberücksichtigt läßt, sei dahingestellt.

Fest steht: Die in den Prospekten verheißenen Paradiese entpuppen sich an Ort und Stelle nicht selten als ausgewachsene Höllen. Zwar gibt es heute kaum noch Reiseveranstalter, die ihre Kunden mutwillig in die Irre, in unfertige Hotelanlagen, auf Baustellen oder schlecht organisierte Touren schicken, aber das Reisegewerbe ist von Natur aus derart krisenanfällig, daß Pannen aller Art viel öfter als in anderen Branchen auftreten können.

Wenn die Prospekte in Druck gehen, müssen sich die Veranstalter auf Terminzusagen der verschiedenen Leistungsträger verlassen, mitten im Jahr wird ein neuer Küchenchef engagiert, aus welchen Gründen auch immer, vergißt der Gebietsreiseleiter eine Mitteilung an die Zentrale über eine riesige neue Baustelle.

Noch vor wenigen Jahren war es gang und gäbe, das Risiko für derartige Pannen fast ausnahmslos auf den Urlauber abzuwälzen. Abgesehen davon, daß der meistens ohnehin zu knapp bemessene Jahresurlaub in solchen Fällen nutzlos vertan war, hatte der Tourist auch noch das finanzielle Nachsehen.

Erst langsam, viel zu langsam hat die Rechtsprechung hier in die Monopolstellung der Reiseveranstalter eine Bresche geschlagen. Gegen den erbitterten. Widerstand der Veranstalter, daran muß gerade jetzt mit Nachdruck erinnert werden. Wenn einige Veranstalter heute für die sorgfältige Auswahl, die Richtigkeit der Prospektbeschreibung, die gewissenhafte Reisevorbereitung und erhebliche Leistungsmängel in gewissem Umfang haften, dann sind diese Zugeständnisse einzig und allein die Folge einiger Musterprozesse.

Viel zu langsam hat die Reisebranche aber auch begriffen, daß selbst, der industriell gefertigte Massenurlaub für den Touristen mehr bedeutet als eine übliche austauschbare Ware und daß deshalb der Käufer einer Pauschalreise eines besonderen Schutzes bedarf.