Neu in Museen und Galerien:

Hannover Bis zum 25. August, Galerie Brusberg: "Anthony Green"

Spaß muß sein, Brusberg weiß, was er seinem Publikum im Hochsommer schuldig ist und hat sich das Kurioseste an Land gezogen, was England derzeit zu bieten hat. Anthony Green hat in der Tat etwas höchst Seltenes und in der Kunst unserer Tage Verpöntes entdeckt, was der feine Tonio Kröger aus Lübeck als "die Wonnen der Gewöhnlichkeit" bezeichnet und bewundert hätte. Dieser Maler plädiert für das Normale, er findet am Leben, an seinem Leben, am Leben der englischen Mittelklasse nicht das mindeste auszusetzen. Er ist kein Angepaßter, der bereit ist, sich nach der Decke zu strecken, sondern ein durch und durch mit allem Einverstandener. Anthony Green ist unverschämt glücklich, und seine Malerei, "Love paintings", hat keinen anderen Sinn, als die Leute an seinem Glück teilnehmen zu lassen. "Meine Bilder erzählen Geschichten über meine unmittelbare Umgebung, meine Familie, meine Frau, meine Kinder, meine Liebe zu meiner Frau." Diese seine Frau figuriert auf den meisten Frühlings- oder Liebesbildern, allein oder mit ihm zusammen. Sie liegen zusammen im Bett, oder sie sind mit dem Fahrrad unterwegs oder gehen mit den Kindern spazieren. So viel Glück und Frohsinn ist eigentlich nur den Naiven und Sonntagsmalern vorbehalten. Aber Green ist ein Professioneller, an der Slade School ausgebildet. Seine Art, mit der Perspektive umzugehen, verrät nicht naive Unbeholfenheit, sondern Raffinement und Intelligenz. Der Raum wird als flexibles Element aufgefaßt, das je nach Bedarf gekrümmt und verformt, den Dingen und Figuren angepaßt wird. Auch das Bildformat wird auf die jeweilige Bildsituation zugeschnitten. Green bevorzugt das Dreieck, das Trapez, das unregelmäßige Vieleck, womit er die Komik dieser Familienszenen noch unterstreicht, eine Komik, die daraus resultiert, daß der schnurrige Engländer so tut, als sei sie unfreiwillig.. Gottfried Sello

Augsburg Bis zum 29. Juli, Städtische Kunstsammlungen: "Hans Burgkmair – Das graphische Werk"

Eine notwendige Erinnerung an diesen bedeutenden Augsburger Künstler, aus Anlaß seines fünfhundertsten Geburtstages; die erste Übersicht über Burgkmairs Druckgraphik überhaupt, mit Leihgaben von fast allen wichtigen Kupferstichkabinetten, die Qualität der ausgestellten Blätter ist ausgezeichnet. Burgkmair, in entscheidender Weise an einigen der großangelegten Publikationen beteiligt, mit denen Kaiser Maximilian I. seinen Nachruhm sichern wollte ("Theuerdank", "Weißkunig"), war einer, der prominenten Künstler seiner Zeit, zumindest als Graphiker. Heute, ist er zwar nicht vergessen, wird aber doch den eher peripheren Meistern der Dürer-Zeit zugerechnet. Mit Unrecht, wie die Augsburger Ausstellung zeigt, die anschließend von der Stuttgarter Staatsgalerie übernommen wird. Burgkmair war – nach den Maßstäben seiner Zeit – ein durchaus moderner, wenn auch nicht unbedingt für die Ausführung komplizierter humanistischer Programme geeigneter Künstler, aufgeschlossen gegenüber neuen reproduktionstechnischen Verfahren wie dem Clair-Obscur-Holzschnitt. Seine spezifische Begabung zeigt sich in anekdotisch erzählenden Darstellungen, der Folge der "Liebestorheiten" etwa, oder seinen Vorlagen für die Schilderung der "Vita Maximiliani" (Burgkmair hat die Holzstöcke nicht selbst geschnitten); andererseits resultiert aus dieser Neigung zum mehr Intimen gelegentlich auch ein etwas kleinmeisterlicher Zug. Repräsentative Aufgaben, wo sie sich ihm stellten ("Kaiser Maximilian zu Pferd"), hat er mit unaufdringlicher Noblesse bewältigt. Hans Burgkmair – ein Graphiker, der mehr Aufmerksamkeit verdient. Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen:

Bremen Bis zum 5. August, Kunsthalle: "11 englische Zeichner"