Hamburg

Mit der Hitze kam die große Zeit der Bäder. Viele Bundesbürger hielten es schon im Juni in ihren Bürosilos nicht mehr aus, ließen oft Arbeit Arbeit sein und eilten in die nächstgelegene Badeanstalt, um sich, noch vom Schweiß gebadet, ins Wasser zu stürzen: Im Hamburger Dulsberg-Bad an einem Juni-Tag allein 10 000, im Düsseldorfer Rheinstadion 12 000, und im Plansch-Mekka des Ruhrgebietes, im Essener Gruga-Bad, waren es gar 19 000.

19 000 nacheinander in einem Schwimmbecken – wie ist da noch das Wasser? Fest steht, daß die große Mehrzahl der Badenden vor dem Schwimmen nicht duscht, geschweige denn sich vorher gründlich wäscht. Viele tragen auch, ganz gleich, wie lang die Haare gewachsen sind, keine Badekappe und "püschern noch oft und unbefangen hinein" (Dieter Schmidt, Hamburger Gesundheitsbehörde).

So schleppt der Badende nicht selten den Schmutz eines ganzen Arbeitstages mit ins Wasser. Dort finden sich dann Staub, Urin, Schweißstoffe, Coli-Bakterien, Haare und "am anderen Morgen auch schon mal ein kleines Würstchen im Wasser, aber ganz selten", so Gruga-Badeleiter Josef Hannibal.

Diese bis zu einem gewissen Grad unvermeidliche Wasserverschmutzung versuchen Gesundheitsbehörden, Badeleiter, und zum Teil auch die städtischen Wasserwerke in den Badeanstalten Tag für Tag aufs neue zu bekämpfen, denn die Richtlinien des Bundesgesundheitsamtes fordern streng: Das Badewasser muß Trinkwasserqualität haben.

Dieser Forderung entsprechen jedoch keinesfalls alle Bäder in der Bundesrepublik. Das Wiesbadener Laboratorium Fresenius auf Grund zahlreicher Untersuchungen: "Während bisweilen bei Hotelbädern wegen der bakteriologischen Wasserbeschaffenheit Bedenken bestehen können, erfüllen die meisten Mineral- und Thermalbäder diese amtliche Forderung exakt, aber ebenso die meisten städtischen Badeanstalten." Tatsächlich gelingt es bis auf die Naturbäder nahezu in allen öffentlichen Bädern, durch aufwendige Umwälzanlagen und kontinuierliche Chlorbeimengungen das Wasser weitgehend keimfrei zu halten.

Im Essener Gruga-Bad wird innerhalb von fünf Stunden das gesamte Wasser über die Umwälzanlage durch einen Kieselfilter gezogen, so von zahlreichen Feststoffen befreit, und werden Bakterien und andere organische Substanzen durch einen Chlorzusatz von mindestens 0,3 Milligramm pro Liter "kalt verbrannt". Das bei 9000 Kubikmeter Wasser. In jeder Woche einmal rücken die Hygieniker der Essener Gesundheitsbehörde an und überprüfen nach einer Probeentnahme das Wasser auf seine Unbedenklichkeit.