Zwei Jahre lang hatte Amerikas Arzneimittelbehörde FDA Befunde und Berichte von Gynäkologen und Hautärzten gesammelt und sortiert, hatte Testreihen aus Universitäten und den Labors der Kosmetikindustrie überprüft sowie Anzeigenserien und Packungsbeschriftungen begutachtet. Diese Riesenrecherche der Washingtoner Gesundheitswächter galt einem kosmetischen Sprühprodukt, mit dem sich allerorten in der westlichen Welt immer mehr Frauen benebeln, um einen Geruch zu beseitigen, der womöglich den frohen Stunden der Liebe abträglich sein könnte: Mit Sprays aus handlicher Dose sucht die moderne Frau dies- und jenseits des Atlantiks ihren Intimdunst zu vertreiben. Doch der wohlduftende Nebel hinterläßt mitunter, wie die FDA nun recherchierte, ungewollte Spuren.

Zwar erbrachte die Zwei-Jahres-Studie der amerikanischen Spray-Prüfer nur 174 positive Fälle, bei denen es nach Anwendung von Intim-Sprays zu schmerzhaften Hautreizungen oder Infektionen gekommen war. Doch nach den peniblen FDA-Bestimmungen reichte die kleine Zahl, der bekanntgewordenen Nebenwirkungen aus, die US-Gesundheitshüter aktiv werden zu lassen. Ende letzten Monats empfahl die Arzneimittelbehörde, daß künftig auf jeder einzelnen Intim-Spray-Büchse eine Warnung zu stehen habe – 75 Wörter lang.

Vorerst nur amerikanische Frauen werden dann auf den unter Druck stehenden Blechdosen lesen können, der wohlriechende Flüssigkeitsnebel sei nur äußerlich anzuwenden. Vor allem aber sei sparsamer Gebrauch angezeigt, höchstens einmal täglich, damit Hautreizungen mit Sicherheit vermieden würden. Und für den Fall, daß ungewöhnliche Rötungen oder Juckreiz sich einstellten, müsse die Spraydose "schnellstens" wieder weggestellt und ein Arzt konsultiert werden. Der Gang zum Gynäkologen, so läßt sich zwischen den warnenden Zeilen unschwer lesen, sei ohnehin dem Wohlgeruch aus der Blechdose vorzuziehen. Denn sobald die Frau einen fremdartigstörenden Geruch vom Intimbereich her bemerke, könne dies Zeichen leichter Erkrankung sein, für deren Abhilfe der Arzt besser sorgen könne als der Nebel aus der Büchse.

Mag auch so mancher Liebhaber vom Jasminduft seiner Partnerin angetan gewesen sein, den Frauenärzten jedenfalls erschweren die sprühenden Damen von jeher die Arbeit. Was für eine bevorstehende Sitzung auf dem Zahnarztstuhl selbstverständlich sein sollte, der vorherige Gebrauch der Zahnbürste nämlich, gilt nicht für den Besuch beim Gynäkologen. Der per Sprühdose verbannte Geruch zerstört in den meisten Fällen die vaginale Bakterienflora, aus deren Zusammensetzung sich aufschlußreiche Hinweise auf die Erkrankung gewinnen lassen.

Wohl haben die Produzenten und auch Mediziner mit abweichender Meinung nun noch knapp zwei Monate Zeit, Einreden gegen den FDA-Vorschlag geltend zu machen. Kaum Zweifel bestehen jedoch, daß die FDA-Empfehlung in wenigen Wochen für alle Intim-Spray-Hersteller verbindlich wird. Denn merkwürdig genug: Diejenigen, von denen am ehesten Proteste zu erwarten wären, bleiben bislang gelassen. Die Spitzenreiter der Intim-Spray-Branche verkünden schon jetzt, daß sie die FDA-Regularien nicht zu fürchten brauchten, ja sie sogar begrüßen würden.

Auszuschließen freilich ist nicht, daß die Spray-Produzenten in solcher Bereitwilligkeit eine trickreiche Vernebelungswaffe gefunden haben. Den amerkanichen Spray-Produzenten, die von 1969 bis 1971 ihren Umsatz von 19,3 Millionen Dollar auf 67 Millionen mehr als verdreifacht haben, ist daran gelegen, daß den sprühenden Konsumentinnen nicht die weiteren Empfehlungen der FDA bewußt werden. Nicht länger nämlich dürfen die Sprays, die im Intimbereich für Wohlduft sorgen sollen, als "hygienische" Mittel angepriesen werden. Denn, so die FDA, der Gebrauch von Intim-Sprays sei weder aus medizinischen noch hygienischen Gründen angezeigt. kk