Schlechte Chancen

Die Chancen, daß der Bundestag noch in dieser Legislaturperiode einen Gesetzentwurf akzeptieren wird, nach dem die Korruption von Abgeordneten strafbar sein soll, sind äußerst gering. Ein kurz vor Ferienbeginn noch eingebrachter Gesetzentwurf mit 69 Unterschriften von Unionsabgeordneten gilt selbst in der Opposition als unausgereift. Einigkeit über den Begriff Korruption besteht weder in noch zwischen den Fraktionen des Bundestages: Nur Bargeld ist unumstritten ein Korruptionsmittel. Bei Mandatsversprechen oder Postenannahme scheiden sich die Geister; ebenso über die Strafen. Der vorgeschlagene Verlust des passiven Wahlrechts auf Lebenszeit stößt auf verfassungsrechtliche Bedenken.

Grünes Licht

Als zunächst letzte deutschlandpolitische Aufgabe, die Egon Bahr zu lösen bleibt, betrachtet man in Bonn die Verhandlungen über ein Luftverkehrs-Abkommen mit der DDR. Sie können im Herbst beginnen, da die drei westlichen Alliierten in Vorgesprächen grünes Licht gegeben haben. Für einen erfolgreichen Abschluß gelten vier Prinzipien als unabdingbar: Das Einverständnis der Vier Mächte, die Landegenehmigung der drei Westmächte, die Überfluggenehmigung durch die DDR. Für die Bundesregierung sind alle Ergebnisse „uninteressant“, wenn die Lufthansa dabei nicht nach Westberlin fliegen darf.

Scheidungsfreudiges Ungarn

Die steigende Scheidungsrate in Ungarn beschäftigt in zunehmendem Maße die Öffentlichkeit und die Partei. 1972 wurden 23 960 Ehen geschieden, 1,7 Prozent mehr als im Jahr davor. Ungarn steht an vierter Stelle unter den scheidungsfreudigen Ländern der Welt, und im Lande selbst nimmt Budapest wieder die erste Stelle ein. Bemerkenswert hoch ist die Scheidungsrate unter Hochschulabsolventen. Von 72 Anträgen, die in einer Woche in Budapest eingereicht wurden, stammten 18 von Personen mit Abitur oder Universitätsabschluß. In 60 Prozent der Fälle wurde der Ehemann als schuldig geschieden, aber nur 31 Prozent der Ehefrauen.

Afrikanische Uniformität