ZDF, Sonntag, 22. Juli: "Personenbeschreibung: Melitta Mercouri", von Georg Stefan Troller

Wenn sie lacht, klingt das wie ein fernes Gewitter. Wild wie eine Megäre kann sie aussehen, manchmal fast irr.

Melina auf einer Theaterprobe, an der Seine, auf der Straße, in einer Kirche, in ihrer Pariser Wohnung, die voller Exil-Griechen ist. Lieder, Diskussionen, Fernsehen, "politischer Kleinkram". Alte Photos, die verlassene Wohnung in Athen, der Piräus, wo ihr legendärer Film "Sonntags nie" gedreht wurde, Delphi, wo, so Troller, "sie glücklich war mit Jules Dassin", ihrem Mann.

Zu diesen Bildern, sparsam, wie beiläufig, im Stakkato gesprochen, im unverwechselbaren Troller-Duktus: die Personenbeschreibung, die Vita, die Karriere, akute Lebensumstände; Notizen, Informationen, Beobachtungen.

"Irgendeine Feder ist in ihr zerbrochen, seit sie nicht mehr nach Griechenland kann. Emigrantenschicksal." Trollers Texte sind immer eine Gratwanderung zwischen Poesie, persönlichem Kommentar, spontaner Assoziation, präziser Definition und Kitsch. Fernsehtexte, nie aufdringlich-gewichtige "Schreibe" und nie bloß untermalender Leerlauf, sondern immer sympathisch klar und leicht. Die Interviews übersetzt er noch immer wort- und stückweise in den Redepausen des Partners und beläßt dem dadurch ein Höchstmaß von Originalität und persönlicher Aura.

Dokumentaraufnahmen vom Putsch in Griechenland, vom Begräbnis der Mutter Melinas in Athen (die Behörden wagten nicht, die dazu illegal eingereiste "Landesfeindin" anzurühren, schoben sie aber noch in der gleichen Nacht wieder ab), von Melinas Kreuzzug gegen das Obristenregime durch Europa; Studentenunruhen, Zoom-Fahrten wie in einem Costa-Gavras-Film auf überall auffällig-unauffällig in den Straßen postierte Geheimpolizisten.

Das Mercouri-Porträt wird, ganz konsequent und unvermindert suggestiv, zu einem politischen Film über Griechenland. "Mit der Zeit macht es keinen Unterschied mehr, ob man draußen oder drinnen ist", sagt ein Chefredakteur, der täglich mit seiner Verhaftung rechnet. "Dies hier ist ein KZ – im Gefängnis ist man wenigstens unter Freunden."