Der folgende Beitrag ist dem Buch "Die Sekretärinnen" von Mary Kathleen Benet entnommen. Es erscheint Ende Juli im Econ-Verlag, Düsseldorf (Preis: 22 Mark). Der Untertitel der Originalausgabe: "Eine Untersuchung über das weibliche Getto".

Die "richtige" Sekretärin, Traum jedes Mannes und Ehrgeiz jedes Mädchens, befindet sich in den meisten Büros ausgesprochen in der Minderheit. Typisch ist sie nur insofern, als sie dem Büro sein charakteristisches Fluidum gibt und Verhaltensnormen für die Schreibkräfte, Maschinenbuchhalterinnen, Telephonistinnen und Frauen in der Registratur setzt, die ihr an Zahl überlegen sind.

Sie ist ferner ein Ziel der Bestrebungen vieler – wie Germaine Greer in ihrem Buch "Der weibliche Eunuch" gesagt hat: "Eine gleichzeitig als Telephonistin, Sekretärin und Empfangsdame tätige Frau ist ein Gebrauchsmodell, die Privatsekretärin ein nach Maß gebauter Rennwagen."

Über die Frauen in den Büros lassen sich nur wenige Verallgemeinerungen anstellen. Allein in den USA gibt es 7,5 Millionen von ihnen. Büroarbeit ist die Beschäftigung mit den meisten weiblichen Kräften und zieht in Kategorien der Herkunft und Bildung prozentual mehr Leute an, als es dem statistischen Durchschnitt der Nation entsprechen würde.

Drei Fünftel der weiblichen High-School-Absolventen gehen ins Büro. Von den College-Absolventen, die nicht in Lehrberufe gehen, werden etwa 10 Prozent Sekretärinnen und Büroangestellte. Der Anteil der Sekretärinnen nimmt bei den reicheren und besser ausgebildeten Frauen allmählich ab und sinkt am anderen Ende der Skala ebenfalls.

In Großbritannien scheinen weibliche Büroarbeiter fast gleichmäßig aus dem Kleinbürgertum und der qualifizierten Arbeiterschaft zu stammen. In der Bundesrepublik Deutschland ist es ganz ähnlich.

Es wird oft angenommen, daß ein Büromädchen sich vom Schreibsaal langsam bis zu dem mit Teppichen ausgelegten Büro der "Chefsekretärin" hocharbeitet. In Wirklichkeit machen aber nur wenige Mädchen eine bemerkenswerte Karriere in den Büros. Auch in den Büros spiegeln sich die sozialen Unterschiede ebenso getreu wider wie im Schulsystem. Obwohl die Intelligenten und die Ehrgeizigen die ihnen in der Schule oder im Büro gebotenen Gelegenheiten nutzen können, um auf der Klassenleiter hochzuklettern, dienen beide Stätten meistens zur Perpetuierung des Status quo.