Von Karl-Richard Könnecke

So einfach ... Ferien machen, in die Sommerfrische reisen, baden, faulenzen, träumen gar? Selbst wen in unserer Blütezeit dynamischaktiver Urlaubsgestaltung noch die Lust nach doch eher anspruchslosem (und darum fast exklusivem) Zeitvertreib ankommt, wo findet er sein Ferienziel?

Wenn er sich beeilt und geringfügige Schönheitsfehler im Idealbild hinnimmt: im nahen Dänemark; ganz genau: auf der Kattegatinsel Laesø, 116 Quadratkilometer groß, einhundert Fahrminuten vom jütländischen Festland in Frederikshavn, halbwegs auf dem Wege nach dem schwedischen Göteborg. Zwar wird er in den ersten Inselnächten vor lauter Stille nur schwer einschlafen können, doch könnte er notfalls diesen Mangel dreimal täglich ausgleichen, indem er sich nach Vesterøhavn begibt und dort die Ankunft der Motorfähre "Laesø" mit jeweils einem Dutzend Kraftfahrzeugen an Bord akustisch auskostet. Mit viel mehr Lärm kann Dänemarks größte Kattegatinsel nicht aufwarten. Noch nicht, und darum heißt es sich beeilen!

Man wird ein bißchen hellhörig, wenn Ausflüge nach dem "Mallorca des Nordens" angepriesen werden; wenn Pläne über Landaufkäufe eifriger Sommerhauskolonie-Spekulanten laut werden; wenn schließlich der Insel eigener Fremdenverkehrsleiter in aller Öffentlichkeit gegen die Ausweitung des Reisestromes auf seiner Insel wettert und dann seinen Hut nimmt.

Aber noch ist Laesø vor allem anderen – Laesø. Und das bedeutet (außer Stille): kilometerlange Sandstrände, kinderfreundliches Salzbadewasser mit ganz sanft abfallenden Familien-Plansch-Ufern, vier gemütliche Hotels, ein paar Pensionen, mehrere Dutzend mietbare Sommerhäuser, 30 000 Quadratmeter Campingplatz, ergiebige Fischgründe, eine reiche Vogelfauna, stabiles Sommerwetter, dänisches Gemüt, Einsamkeit nach Wunsch und endlich das beruhigende Gefühl, weit weg zu sein von Trubel und Alltag ... auf einer Insel eben.

Spätestens wenn das Fährschiff wieder in Richtung Kontinent abgelegt hat, überfällt den Besucher dieses spezifische Inselbewußtsein – eine Prise Robinson, der schöne Schauer friedfertigen Abenteuers, die Brücken sind abgebrochen. So eingestimmt, beginnt die Entdeckung der Insel Laesø.

Autoflaneure seien von vornherein gewarnt. Zwar ist Laesø in seiner ganzen imponierenden Länge von 21 Kilometern durch eine feine Asphaltstraße zwischen Vesterøhaven, Byrum und 0sterby erschlossen, doch ist sie weder von neugierigen Bewunderern noch von Diskotheken oder ähnlichen Vergnügungsstätten gesäumt. Hier gilt das Auto nur als Transportmittel. Das Ziel wird angesteuert, der Rest ist Parken (keine Parkplatznot!). Zwar fordern die Inselprospekte ausdrücklich auf, das Auto mitzubringen ("Die Insel ist größer, als Sie glauben"), aber um ehrlich zu sein: Schöner ist Laesø ohne Auto.