Von Udo Bermbach

Wer den Streit darum, ob die Stamokap-Fraktion innerhalb der SPD ihre Theorie und Strategie von der DKP übernimmt oder nicht, genauer nachvollziehen und verfolgen möchte, kann sich jetzt an Hand der verdienstvollen Publikation von

Freimut Duve (Hrsg.): "Der Thesenstreit um ‚Stamokap‘. Die Dokumente zur Grundsatzdiskussion der Jungsozialisten." rororoaktuell 1662, Reinbek bei Hamburg 1973; 203 S., 3,80 DM

informieren.

Der Band faßt die wesentlichen Papiere zusammen, die seit dem "Außerordentlichen Bundeskongreß der Jungsozialisten" in Hannover im Dezember 1971 zur sogenannten "Strategiefrage" in Umlauf gesetzt worden sind.

Zwei Dokumente verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie exemplarisch die theoretischen wie praktisch-politischen Implikationen der Kontroverse verdeutlichen: Es ist dies zum einen das sogenannte "Hamburger Strategiepapier" vom Herbst 1971, das die Position der "Juso-Linken" formuliert und gleichsam als Grundlagendokument des Streits diente; zum anderen das sogenannte "Strasser-Papier", eine vom Mitglied des Juso-Bundesvorstandes Johano Strasser Anfang 1973 verfaßte "Anti-Stamokap-Polemik".

Interessant am "Hamburger Strategiepapier" sind weniger die analytischen Teile, die in ihren entscheidenden Aspekten mehr oder weniger mit den generellen Befunden der Stamokap-Theorie übereinstimmen; interessant sind vielmehr die strategischen Konsequenzen, die gezogen werden. Sie lassen sich – verkürzt – in folgenden Punkten zusammenfassen: