Der Start in Luxemburg war programmgemäß, die Landung in Nassau keineswegs: In einer zweiten Folge berichtet der Düsseldorfer Werbetexter Jörg Hänel über eine Weltreise, die er auf eigene Faust unternimmt. Die ZEIT-Leser werden alle 14 Tage aus entlegenen Winkeln der Welt von ihm hören.

"Come on brother, take the drumbeat!" Es ist swinging drumming Goombay-Pfingsten in Nassau. Überall kleben die Goombay-Plaketten, auch auf dem Gepäck nach den Flughafenprozeduren. Freitagnacht ist Goombayparade mit Tanzorgien in Baystreet. Baystreet ist zauberhaft kolonialbritisch. Mit überdachten Gehsteigen und Säulchen und hellgrünen Holzgiebeln. Und Linksverkehr. Aber die Wagen sind schwer tuckernder US-Import. Bezahlt wird in Dollars, die Gesichter sind pickelig aus St. Louis und schwitzrosa aus Kansas. Dazwischen auch mal Bahamas-black. Die prallen Gesäße in wulstpressenden Shorts, sehr verwandt den Giantburgerbacks der schwarzen Mammis, die bis spät nachts am Straw Market hocken und Strohtaschen, -teller und -kaffeewärmer mit Stroh besticken fürs Paneel in St. Louis und Kansas. Und die Eingeborenendealer werfen im Vorbeischlendern die schönen Worte hin: "Hey boss, y’want a smoke? Have’y good Cocain-stuff." Damit Jimmy auch in Goombay-Pfingsten im vertrauten Dunstkreis von daheim sein kann. Dazwischen das Gewimmel der Mietfahrräder und -mopeds, die, entdeckungsgefräßig, Meile für Meile der Insel abgrasen.

"I’ve got to sexify my schatzi now", sagt der Chicago-Millionär und kippt eisklirrend seinen Planter’s Punch. Schatzi ist berlin-österreichische Jüdin, war im Konzentrationslager, und er ist ihr fünfter Mann. Vertreter Bill erzählt lautstark sein 50-Dollar-Mißverständnis von gestern abend. Er ist strenger New Yorker Jude, den zwei Tage Bahamas ein bißchen aus dem Takt gebracht haben. "Something new about Watergate?" fragt Jan, der schwedische Diplomatensohn-Tramp.

Hier bin ich gestrandet.

Ausgesetzt von den Fluggesellschaften wegen fehlendem US-Transitvisum (es muß einem ja gesagt werden!). Gestrandet am Sheraton-Swimming-pool, weil palmenübersäuselte goldene TV-Werbespotstrände offenbar ganz woanders und unerreichbar teuer sind. Zu meiner Verteidigung sei gesagt, daß ich mit Jan, dem Tramp, illegal zum Pool eingeschmuggelt bin. Und geh’ auch gleich wieder, sobald Schatzi eine Runde Banana-Daikiri geschmissen hat (man muß "nassauern" in Nassau!).

Liebenswürdig verrottet

Eidechsen huschen über die morschen Steine. Eine Brise raschelt in den ausgedörrten Palmwedeln. Die verbeulte Dusche an der Hauswand tropft, und das ist alles, was sie hergibt. Wasserkrise im Delancey Guest House. "Take it easy, brother." Ich hocke auf der Schwelle zu meinem 4-Dollar-Verschlag und zupfe verbrannte Haut streifenweise vom Buckel. Zehn Meter von der Hauptstraße weg ist alles liebenswürdig verrottet und morsch. In den Dickichtgärten, die über eingestürzte Mauern auf die abbröckelnden Straßen herauswuchern, dösen Holzhäuschen mit schiefen Veranden und zersplitterten Fensterrahmen. Spinnweben aus besseren Kolonialtagen hüllen sie ein. Im wackeligen Korbstuhl schläft zusammengerollt ein Köter.